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Vom Saulus zum Paulus

Kalenderwoche 4 im Jahr 2019
21.01.2019 - 27.01.2019

von NN

„Saul, Saul warum verfolgst Du mich…?“(Apg 26,14) – Viele Künstler haben sich schon an der gewaltigen Bildsequenz versucht, in der Saulus vor Damaskus von hellem Licht umstrahlt, vom Pferd stürzt, mit erblindeten Augen himmelwärts schaut um obigen Satz von einer Stimme aus dem leeren Raum zu hören.

Im Anschluss bringen ihn seine Begleiter in die Stadt. Auf göttliche Weisung besucht ihn nach drei Tagen Hananias, ein Jünger Jesu, heilt ihn per Handauflegung und „alle die es hörten, waren fassungslos und sagten: Ist das nicht der Mann, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen?“ (Apg 9,20).

Die Apostelgeschichte erzählt die Szene dreimal spannend an verschiedenen Stellen (Apg 9,1-22, Apg 22,3-16, Apg 26,12-20) jeweils etwas anders passend zur Erzählsituation.

Menschen lieben oft gerade die großen, spektakulären, spannenden, ereignisreichen und/oder gegensätzlichen Geschichten: Von hell zu dunkel, von arm zu reich, von böse zu gut und auch gerne umgekehrt. Presseorgane, Fernsehsender und Internetseiten leben davon. Manche sehnen sich danach, mittels solcher Storys in den Mittelpunkt der allgemeinen Aufmerksamkeit zu gelangen, und tun wirklich alles dafür.

Paulus beschreibt seine Bekehrung mit ganz anderen Worten im Galaterbrief (Gal 1,10-17). Ihm kommt es nicht auf die große Geschichte, sondern auf das Ergebnis an: Jesus beruft ihn persönlich und gibt ihm den Auftrag, das Evangelium zu verkündigen.
Dieser Ruf verändert sein Leben.

Die Namensänderung Saulus/Paulus selbst erfolgt im 13. Kapitel der Apostelgeschichte äußerst unspektakulär. Dort steht in Vers 9 ganz lapidar „Aber Saulus, der auch Paulus heißt…“. Der vorher mit Saulus bezeichnete wird ab dann mit Paulus benannt.

Lukas („der Maler“) nutzt in der Apostelgeschichte gerne große Bilder, um seine Botschaft zu illustrieren.
Schwierig wird es, wenn ich an den Bildern hängen bleibe ohne zur Botschaft zu gelangen. Ein Bild wird dann schnell zur Kunst, auch im Sinne von künstlich, gemalt zur Betrachtung im Museum geeignet, aber ohne Bezug zur eigenen Lebenswirklichkeit.

Paulus will mit seiner Verkündigung und seinem Evangelium aber gerade das Leben der Menschen erreichen. Auch Lukas lässt in seinem Evangelium Johannes den Täufer von Umkehr sprechen (Lk 3,3).

Umkehr/Bekehrung war und ist für mich mehr der kleine, stille Moment:
Ein Wort, eine Begegnung, eine Begebenheit, die mich zum Nachdenken bringt. Wo ich mir später sagen kann: Da hat dich Gott angesprochen, das war gut; oder auch: da war Gottes Geist nicht spürbar, das war nichts, das war schlecht. Aufmerksamkeit dafür, wo Gott auf mich aufmerksam ist, wo er mich anspricht, mich zum Guten, zur Liebe ermutigt, Versöhnung ermöglicht.

Am 25. Januar feiern wir in der Liturgie das Fest der Bekehrung des Paulus. Ein immer wiederkehrender Anlass zur Umkehr und Hinwendung in der Ökumene, aber auch über den eigenen Glauben nachzudenken, neu auf das Evangelium zu hören und danach zu leben.

Karl-Heinz Wahlen (priesterlicher Praktikant)