Monatslied für Juni:GL 82 "Behutsam leise nimmst du fort"

Esther Radgen hat zusammen mit Pfr. Christian Enke eine Übersetzung des Textes in die Deutsche Gebärdensprache entwickelt.

Die Gebärden können z.B. im Gottesdienst mit der Gemeinde eingeübt werden.

Im Video  ist das Lied zu hören und sind die Gebärden zu sehen. Vielen Dank an Esther Radgen, Tabea Eberl und Christian Enke für die tolle Initiative, fürs Vormachen und Singen! 

Mit den Händen singen | Seit über einem Jahr dürfen wir als Gemeinde im Gottesdienst nicht mehr singen. Oft übernehmen die Organisten oder kleine Ensembles die musikalische Gestaltung, was sehr schön ist. Trotzdem schmerzt es viele Menschen in unserer Pfarrei, ihren Glauben im Gemeindegesang nicht mehr hörbar ausdrücken zu können und eher passiv am Geschehen beteiligt zu sein. Aus diesem Mangel wuchs meine Idee, der Gemeinde anzubieten, was ich in meiner Arbeit mit nicht-sprechenden, aber hörenden Kindern schon lange praktiziere: Das gebärdenunterstützte Singen. Die wichtigsten Worte des Liedtexts werden dabei durch eine Gebärde hervorgehoben - man singt mit den Händen. So wird die Musik zu einem ganzheitlichen Körpererlebnis.

Nutzt man zur Unterstützung Gebärden der Deutschen Gebärdensprache (DGS), hat dies einen Nebeneffekt: Menschen, deren Muttersprache die DGS ist, können zumindest die Kernaussage des Liedtexts verstehen. Auch für Menschen mit einer geistigen Behinderung oder für Kinder kann der Liedinhalt durch das ganzkörperliche Erlebnis deutlicher werden. 

Den sehr poetischen Text des Monatsliedes „Behutsam leise nimmst du fort“ (GL 82) mit Gebärden zu unterstützen war nicht ganz leicht. Gemeinsam mit Pfarrer Christian Enke (Gehörlosenseelsorger im Bistum Limburg) habe ich versucht eine Umsetzung zu finden, die einerseits einfach zu erlernen ist und bei der andererseits die sprachliche Schönheit des Textes nicht verloren geht. Die Gebärden für behutsam, Dunkelheit, auflösen, Morgen, Botschaft und Schöpfung sollen den Refrain versinnbildlichen. In den vier Strophen haben wir uns darauf beschränkt, die jeweiligen Themen Licht, Kraft, Glück und Trost hervorzuheben. Das Lied endet jeweils mit einem Segenswunsch „für die Menschen in jedem Land“. Dabei geht der Blick der gebärdenden Person zum Himmel, von dem die segnenden Hände sich erst auf ihr selbst niederlassen um schließlich zu den Mitmenschen zu wandern. Oftmals erfordert es Überwindung in einer fremden Sprache zu sprechen. Dies ist auch beim gebärdenunterstützten Singen nicht anders.

Ich würde mich dennoch freuen, wenn viele Menschen unserer Pfarrei dieses Angebot wahrnehmen und wenn schon nicht mit Mund und Stimme, dann doch mit Händen und Körper anfangen zu singen – viel Freude!

Esther Radgen