Gottesdienste ab 4. Mai

Viele Katholikinnen und Katholiken in Oberursel und Steinbach freuen sich, nach vielen Wochen wieder Gottesdienst feiern zu dürfen!

 

Aber es ist keine ungeteilte Freude, denn vieles, was uns bei unseren Feiern wichtig ist, ist uns aus nachvollziehbaren Gründen gegenwärtig (und wohl auch auf längere Zeit) nicht möglich. So müssen wir auf gemeinsamen Gesang verzichten und natürlich weiterhin den nötigen Abstand wahren. Dadurch beschränkt sich die Zahl der Mitfeiernden stark – abhängig von der Größe des Kirchenraums (zum Beispiel für Liebfrauen auf 90 Personen). In St. Petrus Canisius, Oberstedten, kann aus räumlichen Gründen derzeit kein Sonntagsgottesdienst gefeiert werden.

 

In den Kirchen werden entsprechende Markierungen in den Bänken dafür sorgen, dass der Sicherheitsabstand eingehalten wird. Familien und Hausgemeinschaften werden dabei räumlich nicht getrennt, zählen für die Höchstteilnehmerzahl aber einzeln. Das Tragen von Masken ist sowohl beim Betreten wie beim Verlassen der Kirchen erforderlich. Am Eingang wird Desinfektionsmittel bereitgestellt.

 

Um alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen umsetzen zu können, werden wir ab 4. Mai zunächst mit Werktagsgottesdiensten in einzelnen Gemeinden beginnen. Genaue Informationen finden sich im Pfarrblatt, das ab Sonntag in den Kirchen ausliegt, und auf unserer Homepage: www.kath-oberursel.de.

 

Für die Sonntagsgottesdienste ab dem 9./10. Mai kann (und soll!) man sich ab sofort im Zentralen Pfarrbüro anmelden (06171 979800 oder st.ursula@kath-oberursel.de). Damit ist sichergestellt, dass man am Gottesdienst teilnehmen kann. Bleiben Plätze frei, kann man auch unangemeldet teilnehmen. In diesem Fall müssen aber Adressdaten hinterlassen werden, damit im Infektionsfall Ansteckungswege nachvollzogen werden können.

 

Bei aller Freude über die Möglichkeit zu Gottesdiensten sind wir uns sehr bewusst, dass die Gefahr durch das Corona-Virus noch längst nicht gebannt ist. Wir raten daher allen, die zu einer besonderen Risiko-Gruppe zählen, zu großer Vorsicht bzw. dem Verzicht auf die Teilnahme am Gottesdienst. Der Bischof hat die Katholiken weiterhin vom Sonntagsgebot befreit. Empfehlend weisen wir auch weiterhin auf die Gottesdienste im Fernsehen bzw. Internet hin. 

 

Pfr. Andreas Unfried

Marcelline Schmidt vom Hofe, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates

Füreinander beten

Das Refugium Hofheim stellt jeden Tag "Gebete gegegen die Angst" auf ihre Homepage

Abendgebet für Familien mit Kindern

Glockenläuten

(Wir hören einen Moment auf die Glocken)

 

Kerze entzünden

 

(Wir sprechen: Eine/einer spricht einen Satzteil vor, die anderen wiederholen diesen)

 

Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt. / Wo Menschen in meinem Namen zusammen kommen, / das ist Licht und Wärme breitet sich aus. / Da ist Gottes Liebe mitten unter uns. / Amen.

 

 

Psalmgebet nach Psalm 23 nach Peter Spangenberg (abgeändert!)

 

Lieber Gott,

wie ein guter Vater, wie eine gute Mutter sorgst du für mich,

dass mir an nichts fehlt.

Du zeigst mir, wie bunt das Leben ist.

Du führst mich auf neue Wege.

Wie ein guter Vater, wie eine gute Mutter kümmerst du dich um mich

und sorgst für mein Glück.

Du zeigst mir den richtigen Weg,

damit wir uns alle nicht aus den Augen verlieren.

Wenn es einmal schlimm kommen sollte, dann habe ich keine Angst:

Als bekäme ich Flügel, so trägst du mich hindurch.

Ganz dicht bist du bei mir,

an dir kann ich mich festhalten,

ich kann mich bei dir stützen.

Wie ein Kind im Sturm schlafen kann, so bekomme ich Ruhe,

selbst wenn alles um mich her laut ist.

Du streichelst mir über den Kopf und umgibst mich liebevoll mit deiner Zärtlichkeit.

Ich komme mir vor wie mit dir zusammen in einem Boot;

Mein Leben hat ein klares Ziel,

bis ich eines Tages ganz bei dir Zuhause bin. Amen.

Kurze Stille

 

Vaterunser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen.

 

Segen (mit Gesten)

Gott sei vor dir,

um dir den rechten Weg zu zeigen.

(beide Hände nach vorne halten)

 

Gott sei neben dir,

wie eine gute Freundin,

wie ein guter Freund an deiner Seite.

(beide Hände zu Seite strecken)

 

Gott sei in dir,

um dich zu trösten,

wenn du traurig bist.

(beide Hände vor der Brust verschränken)

 

Gott sei über dir

und bewahre dich vor allem Bösen.

(beide Hände über den Kopf halten)

 

So segne dich Gott!

(segnend sich zu allen hinwenden) Amen.

Wir versammeln uns täglich um 13 Uhr zu einem kurzen Gebet oder halten Inne, jede(r) dort wo er/sie sich gerade aufhält, gemäß Mt. 18,19 -20 „Weiter sage ich euch: Was auch immer zwei von euch auf Erden einmütig erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten. Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“

Vorschläge für Gebetsanliegen sind:

  • Dank und Kraft für die Menschen, die gerade stark gefordert sind und gebraucht werden, wie z.B. Ärzte, Pflegepersonal, Personal in Lebensmittelgeschäften usw.
  • Stärkung unseres Gottvertrauens
  • Schutz für Ältere, Kranke und besonders Schutzbedürftige
  • Weisheit und Besonnenheit für Alle, ganz besonders die Entscheidungsträger
  • Umwandlung von Angst und Sorgen in Zuversicht
  • Segen für Alle

 

Bleibt gesund und munter.

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Impulse

Einen trostvollen Weg mit dem Kreuz kann man dieser Tage an verschiedenen Stellen in Oberursel gehen. Evangelische und katholische SeelsorgerInnen haben kurze Spazierwege markiert, auf denen man – natürlich in gebührendem Sicherheitsabstand voneinander – mit Bildmotiven des mittelalterlichen Kreuzes von San Damiano zum Nachdenken, Beten, Bitten und Danken angeregt wird.

Das Kreuz von San Damiano spielte im Leben des Franziskus von Assisi eine wichtige Rolle. Es geht weit über die Darstellung der Passion Jesu hinaus und stellt zum Beispiel Bezüge zu Ostern und Christi Himmelfahrt her wie auch zu den vielfältigen Bedrohungen des Lebens – damals wie heute.

Kreuzwege finden sich an folgenden Stellen:

 

  • Von der evangelischen Kirche Oberstedten nach St. Petrus Canisius,
  • von Heilig Geist über Camp King nach St. Hedwig (ca. 1,8 km),
  • von St. Aureus und Justina durch ganz Bommersheim,
  • am Friedhof Stierstadt
  • von der Kirche St. Crutzen
  • und in der Adenauerallee

 

Wegbeschreibungen liegen (wo nötig) an den Ausgangspunkten.

 

Pfarrer Andreas Unfried

im Namen der teilnehmenden Gemeinden

Ostern findet statt, doch völlig anders als gewöhnlich. Wo sonst Besucherströme die Ostermärkte füllen - gähnende Leere. Partys junger Leute ab Donnerstagabend - in die sozialen Netzwerke verlegt. Kilometerlange Staus im Reiseverkehr entfallen, stattdessen freie Bahn für den Waren- und Lieferverkehr. Die ersten richtig prallen Wochenenden für Geschäftswelt und Gastronomie in diesem Frühjahr - ersatzlos gestrichen; schwere Zeiten für alle, die damit ihren Lebensunterhalt verdienen.

Nach anstrengenden Wochen im Arbeitsleben sonst sehnlichst erwartet - jetzt ein weiteres, überlanges Wochenende. Familientreffen abgesagt. Besuch bei Großeltern und betagten Verwandten finden per Skype nur bescheidenen Ersatz. Erstkommunionfeiern auf unbestimmte Zeit verschoben, schwierig für die Kinder und die Familien. Pflegekräfte und Ärzte in den Krankenhäusern und Senioreneinrichtungen leben an der Seite ihrer Klienten und Patienten seit Wochen im Dauerstress, und die kritischen Situationen nehmen zu. Kaum auszuhalten ist auch der Kontrast zwischen der Aufbruchsstimmung im Frühlingserwachen und den massiv eingetrübten Zukunftserwartungen.

Eine echte Herausforderung

Ostern, ganz anders als üblich. Das empfinden vor allem Christinnen und Christen. Für uns sind diese Tage zwischen dem Gründonnerstagabend und dem Morgen des Ostersonntags die wichtigste Zeit im Jahr. Nach Weihnachten werden die Ostergottesdienste immer am besten besucht. Jetzt werden sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert. Gott sei Dank gibt es die Möglichkeit, über Radio, Fernsehen und Internet an den Feierlichkeiten teilzunehmen und Impulse zu bekommen. Aber was ist das schon für jene, die es gerade jetzt drängt, zusammenzukommen, aufmerksam der Leidensgeschichte Jesu zu folgen, mit der Osterbotschaft und dem Ostermahl der Eucharistie und anschließend beim gemeinsamen Osterfrühstück die Hoffnung zu feiern?

Ostern im Jahr 2020 stellt wirklich eine Herausforderung dar. Für alle. Sie könnte zur Chance werden, wenn es uns gelingt, uns umzustellen auch in dieser Hinsicht. Die vergangenen Wochen haben ja gezeigt, wie anpassungsfähig wir im Umgang mit der Krise sind. Wir stellen uns um und lernen schnell, uns anders ein- und auszurichten. Das macht mir wirklich Mut. Und ich wünsche uns Gläubigen, dass wir jetzt auch unser Ostern als ein Experiment im besten Sinn verstehen. Ostern mal ganz anders. Ostern, dorthin zurückverlegt, wo es hingehört, in den Alltag unter uns Menschen. Ob uns dieser Sprung in eine andere Perspektive gelingt?

Dienen ist systemrelevant

Gründonnerstag, das ist ein besonderer Abend. Jesus zieht sich mit seinen Freunden in die Hausgemeinschaft zurück. Noch heute feiern die jüdischen Familien Pessach zu Hause am Tisch. In diesem Jahr geht es vielen so. Zu Hause bleiben. Da bekommt das Essen miteinander am Tisch Bedeutung. Den Tisch herrichten, für die Gaben danken, einander wahrnehmen und zuhören, Zeit haben. Das biblische Bild dieses Abends ist eine gewöhnliche Szene. Vor dem Essen Hände waschen, und in der jüdischen Kultur Füße waschen. Knechtarbeit. Wer dient und wer bedient, das ist festgelegt, Statusfrage. Jesus verstört, denn er dreht die Verhältnisse um. Ein Beispiel, damit auch wir so handeln.

Wer macht bei uns eigentlich die Drecksarbeit? Wer dient - und was verdient er oder sie? Ganz neue Perspektiven tun sich in dieser Krisenzeit auf, wer und was die "systemrelevanten" Bereiche des gesellschaftlichen Lebens sind. Hoffentlich vergessen wir es nicht und verändern etwas im Bewerten von Dienst und Verdienst.

An Karfreitag wird die Leidensgeschichte Jesu gelesen, wie sie der Evangelist Johannes erzählt. Jesus leidet und stirbt. Er ist das Opfer eines ungerechten Urteils. Sündenböcke werden auch heute gesucht und gefunden. Einer wird schon schuld sein. Wer will aber verantwortlich gemacht werden? Jesus ist bereit dazu. Er nimmt die Schuld der vielen auf sich. Freiwillig. Johannes zeichnet es feinsinnig nach. Jesus beherrscht die Szene. Er bleibt souverän. Alle anderen spielen ihm gegenüber bloß Nebenrollen. Die Kraftquelle Jesu ist sein Gottvertrauen. Er setzt sein Leben ein - einer für alle. Ich las: "Dass sich die einen mehr nehmen als die anderen, nennt man in diesen Tagen ,hamstern', und es ist verpönt. Dass sich die einen mehr nehmen als die anderen, nennt man sonst Marktwirtschaft, und es ist heilig." Was folgt daraus, dass Jesus in seiner Passion die Verhältnisse umkehrt? "Einer trage des anderen Last" (Gal 6,2) heißt die Maxime einer neuen Gesellschaftsordnung im Reich Gottes.

Die Grabesruhe
Christi

Grabesstille ist schwer zu ertragen. In diesen Wochen wird sie uns zugemutet. Menschen müssen einsam sterben. Nur wenige stehen an ihren Gräbern. Unter den Bedingungen von Corona sind Bestattungen doppelt traurig. Denn vielen bleibt es verwehrt, den Verstorbenen und ihren Angehörigen Respekt und Nähe zu schenken. In diesen Zeiten verstummen sogar die Diskussionen um ein Tanzverbot an stillen Tagen. Was zuletzt als aus der Zeit gefallene Gängelung freier Bürger attackiert wurde und nur schwer zu begründen schien, wird selbstverständlich eingehalten. Die meisten haben verstanden, dass der "shutdown", die radikale Beruhigung des öffentlichen Lebens, die Gefahren eindämmt, vor denen niemand sicher sein kann. Im christlichen Verständnis ist der Karsamstag Tag der Grabesruhe Christi. Er lenkt den Blick auch auf unsere Sterblichkeit. Der Tod gehört zum Leben. Wir sind verwundbar, verletzlich, endlich. Wir haben kein Recht auf Gesundheit und Unsterblichkeit. Zu wissen, dass Gottes Sohn bis in den Tod hinein mit uns solidarisch wurde, ist für mich unendlich tröstlich.

Gott ist ein Freund des Lebens

Der erste Blick in ein frisches Grab ist immer schmerzvoll. Der zweite Blick ins Grab Jesu war für die Jüngerinnen und Jünger aber noch viel verstörender. Denn es war leer. Mit dem Tod rechnen wir. Auferstehung war nicht zu erwarten. Sie übersteigt das Menschenmögliche. Auch wenn der Frühling eine Ahnung vermittelt und die Liebe sich keinesfalls abfindet mit dem Tod: Auferstehung wird nur glauben können, wer dem Geheimnis Gottes traut. Gott kann unsere Grenzen weiten. Seine schöpferische Kraft übersteigt die Macht des Todes.

Die Wissenschaftler, Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger und alle, die mit vereinten Kräften gegen das Virus kämpfen, dürfen gewiss sein: Gott kämpft mit. Denn er ist ein Freund des Lebens. Er liebt seine Schöpfung. Und er sucht Menschen, die mit ihm aufstehen gegen alle Ausbeutung und Bedrohung dieses Wunderwerkes. Darum ist Ostern das Fest der großen Hoffnung. In diesem Jahr zwar ganz anders, aber nicht weniger sinnvoll und schön.

Frohe Ostern für Sie alle!

für Gründonnerstag: Beim letzten Abendmahle" GL 282 mit Auszügen aus Bach BWV 1033,2;

(Karl Klinke)

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Liebe Alle,

ich höre sehr oft: “Du brauchst keine Angst zu haben!”

“Andrà tutto bene – alles wird gut werden!”. 

Ist das wirklich so? 

 

Oft bin ich hin und her gerissen. In mir ist ein ständiger Kampf. 

Ich habe ein Video von mir aufgenommen, in dem ich über meine Situation in dieser Zeit der Corona-Pandemie erzähle. 

 

Den Link finden Sie hier: https://youtu.be/MQVZ5nSMqrM

 

Alles gute und Gottes Segen. Bleiben Sie gesund. 

Pfr. Xavier Manickathan 

Lesung aus dem ersten Buch Samuel (1 Sam 16, 1b.6-7.10-13b)
Der HERR sagte zu Samuel: …Fülle dein Horn mit Öl und mach dich auf den Weg! Ich schicke dich zu dem Betlehemiter Isai; denn ich habe mir einen von seinen Söhnen als König auserse-hen. ….6 Als sie kamen und er den Eliab sah, dachte er: Gewiss steht nun vor dem HERRN sein Gesalbter. 7 Der HERR aber sagte zu Samuel: Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, denn ich habe ihn verworfen; Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der HERR aber sieht das Herz. ….10 So ließ Isai sieben seiner Söhne vor Samuel treten, aber Samuel sagte zu Isai: Diese hat der HERR nicht er-wählt. 11 Und er fragte Isai: Sind das alle jungen Männer?
Er antwortete: Der jüngste fehlt noch, aber der hütet gerade die Schafe. Samuel sagte zu Isai: Schick jemand hin und lass ihn holen; wir wollen uns nicht zum Mahl hinsetzen, bevor er herge-kommen ist. 12 Isai schickte also jemand hin und ließ ihn kommen. David war rötlich, hatte schöne Augen und eine schöne Gestalt. Da sagte der HERR: Auf, salbe ihn! Denn er ist es. 13 Samuel nahm das Horn mit dem Öl und salbte David mitten unter seinen Brüdern. Und der Geist des HERRN war über David von diesem Tag an.
Es ist die Stunde der Menschen im Hintergrund; der Leute, die oft keiner im Blick hat: Es sind die Män-ner und Frauen, die immer noch an den Kassen im Supermarkt sitzen, obwohl die Schule und die Kita ihrer Kinder schon längst geschlossen hat; es sind die Ärzte und Ärztinnen und Pfleger*innen, die im Krankenhaus ausharren und die Busfahrer*Innen und Lokführer*Innen, die immer noch Leute transpor-tieren und noch viele mehr, die das öffentliche Leben einigermaßen aufrechterhalten in den Kraftwer-ken, bei der Polizei oder in den Kristenstäben. Im normalen Alltag waren sie meist unsichtbar, haben einfach ihren Job gemacht. Aber dieser Tage rücken sie in den Mittelpunkt. In einigen Ländern Europas wird ihnen als Zeichen der Anerkennung sogar einmal am Tag von den Leuten aus den offenen Fenstern und den Balkonen zugeklatscht.
Die alte Geschichte von der Salbung Davids zum König, die an diesem 4. Fastensonntag im Gottesdienst als erste Lesung vorgesehen ist, ist auch eine Geschichte von einem der aus dem Hintergrund heraus-tritt. Der junge David hütet wie jeden Tag die Schafe draußen auf dem Feld. An ihn denkt niemand als um die Auswahl eines Königs für das Volk Israel geht. Nur einer lässt sich da nicht beirren: Es ist Gott selbst. Seinen Propheten Samuel mahnt er, nicht dem ersten, äußeren Eindruck zu trauen. Gott „sieht das Herz“. Das meint: Er sieht das Innere, seine Motivation, sein Engagement, seine Treue und noch vie-les mehr. Das meiste davon ist auf den ersten raschen Blick unsichtbar. Da blendet das Äußerliche.
Vielleicht ist bei uns gerade eine Zeit, den Blick vom Äußerlichen auf das Herz zu lenken. Vielleicht geht es uns in diesen Tagen des äußeren Stillstandes wie Samuel und wir sehen mehr das Herz der Menschen in unserer Umgebung und weniger das Äußere.
Samuel salbt David mit Öl. Das ist ein altes Zeichen der Stärkung. Es will sagen: Gott will dich stark ma-chen für die Aufgabe, die vor dir steht. Dieses Öl der Stärkung wünsche ich gerade jetzt allen, die viel-leicht vor der größten Herausforderung ihres Lebens stehen.
Mathias Wolf, Diakon

Das Coronavirus verändert alles. Galt es früher als grob unfreundlich, an anderen Menschen im gebührenden Abstand vorbeizulaufen, so wird das jetzt zum Zeichen der Sorge um den Mitmenschen. Wir geben keine Hand mehr, von Umarmungen oder sonstigen Äußerungen der Zuneigung ganz zu schweigen. Von zu Hause arbeiten ist das Gebot der Stunde – für die, die es können – und es gilt nicht mehr als Ausrede der vermeintlichen Drückeberger, die eigentlich ja nur die Kinder zu Hause betreuen wollen.

Langsam schleichend und doch auf einmal ganz plötzlich kam diese Woche die Wende. Eine Bedrohung, die weit weg war, rückt ganz nah und es gibt kein Entrinnen mehr. Niemand kann fliehen, kein Land der Erde nimmt uns Europäer noch auf. Womit auch fliehen? Da sind auf einmal alle irgendwie gleich oder doch zumindest gleich im Käfig gefangen. Wobei, das sei eingestanden, einige Käfige doch um einiges größer und komfortabler sind als andere.

Diese Wochen mit Corona werden viel verändern in unserem Land. Ich merke das jetzt schon. Wenn ich die Werbeclips im Fernsehen sehe, dann umarmen sich fröhliche Menschen, sie sitzen draußen, essen und trinken, machen Sport oder reisen in die Ferne. Das sind Bilder wie aus einer anderen, ehemals heilen Welt. Und die Kanzlerin sprach am Mittwochabend gar von der größten Herausforderung seit der deutschen Einheit, ja seit dem Ende des Krieges.

Obwohl kaum jemand draußen ist, sehe ich schon viel, was anders ist: Eine Welle der Hilfsbereitschaft rollt an. Überall gibt es kleine Initiativen wie man besonders Gefährdeten helfen kann. Endlich kommt auch einmal das Leben vieler Menschen in den Blick, die tagtäglich mit Minijobs um ihr Überleben kämpfen müssen und einen solchen Stillstand eben nicht einfach aussitzen können. Die vielen Männer und Frauen, die in den Pflegeberufen, im öffentlichen Nahverkehr oder einfach an der Kasse im Supermarkt unsere Versorgung sicherstellen sind plötzlich zu Recht die Helden unserer Gesellschaft geworden. In Italien werden sie übrigens jeden Mittag um 12 Uhr von den offenen Fenstern aus und auf den Balkonen beklatscht.

Ich habe die Hoffnung, dass sich vielleicht auch etwas ändert, wenn die Coronakrise schon längst überstanden ist. Vielleicht merken wir, dass wenn jeder an sich denkt, eben nicht an alle gedacht ist. Eine Gesellschaft braucht mehr als dass sich alles nur weiterdreht und das immer schneller. Der innere Zusammenhalt ist wichtiger als manche Zahl.

Ich habe übrigens auch meine Email-Signatur geändert. „Andrà tutto bene – alles wird gut!“ steht jetzt unter meinen Mails. Die Idee kam mir, als ich Bilder aus Italien sah. Da hingen von den Balkonen Regenbogenfahnen und die Leute hatten den Satz darauf geschrieben: „Andrà tutto bene - Alles wird gut!“ Diese Zuversicht hat mir gefallen. Und diese Worte dann auch noch mit dem Regenbogen in Verbindung zu bringen, finde ich theologisch genial. Ich habe den Satz direkt auf ein Schild geschrieben und an die Kirchentür gehängt mit dem Verweis auf die offene Kirche.

Der Regenbogen ist das Zeichen Gottes am Ende der Sintfluterzählung mit der Arche und Noah. Dazu sein Versprechen: „Nie wieder sollen alle Wesen aus Fleisch vom Wasser der Flut ausgerottet werden; nie wieder soll eine Flut kommen und die Erde verderben. ….Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde.“ (Genesis 9, 11-13)

Die Welt ist eine andere geworden damals in der Flut, aber sie hat zugleich eine neue Zuversicht bekommen. Unsere Welt wird durch und nach Corona auch anders werden. Vielleicht wissen wir jetzt, auf wen wir uns wirklich verlassen können; wessen Nähe uns guttut. Oder wir merken, wie wenig man eigentlich zum Leben braucht und wie wichtig das vermeintlich Unbedeutende sein kann. Wie auch immer – unsere kleine und auch die große Welt wird sich in diesen Wochen verändern.

Bis dahin: „Bleib gesund!“  „Andrà tutto bene – alles wird gut!“

Mathias Wolf, Diakon

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