Stellungnahme der Pfarrei St. Ursula – Oberursel und Steinbach
Verfasst von PGR-Vorstand, Pastoralteam, Verwaltungsleiterin, Kita-Koordinatorin
Oberursel, 25. August 2026
Pfarrer Andreas Unfried hat am Samstag, 22. August sein Amt aufgeben. Er will heiraten. Er hat in einem offenen, mittlerweile vielfach zitierten Brief dazu Stellung genommen. Der Brief findet sich auf der Homepage der Pfarrei. Darüber hinaus ist hinsichtlich seiner Beweggründe nichts zu sagen.
Es gibt aber noch andere Fragen: Wie reagieren die Menschen der Pfarrei auf diese Veränderung? Was löst es aus? Und noch wichtiger ist die Frage, die sich viele stellen: Wie wird es weitergehen.
Die Reaktionen sind vielfältig – so vielfältig, wie die Menschen sind. St. Ursula pflegt seit langem eine Kultur, diese Vielfalt als Reichtum zu begreifen. Bei allem Wissen, dass wir nicht für alle Menschen in der Pfarrei sprechen können, möchten wir folgende Wahrnehmungen teilen.
Pfarrer Andreas Unfried hat die Information im Rahmen der Visitation durch Bischof Dr. Georg Bätzing gegeben und zwar in der Mitte der Zukunftswerkstatt, die die Pfarrei im Zusammenhang der Visitation veranstaltet hat. Der erste Teil mit Impulsgeber*innen zu wichtigen gesellschaftlichen und kirchlichen Themen fand wie angedacht statt, nach der Mittagspause hat Pfarrer Andreas Unfried seine Erklärung abgeben. Was dann passierte, war nicht im Vorhinein geplant.
Es war ein besonderer Moment, das spürten alle nach wenigen Sätzen. Es war nicht gedrucktes, gepostetes, versendetes Wort, es war gesprochenes Wort – öffentlich, persönlich. Die Reaktion, der knapp 80 Personen, die wegen der Zukunftswerkstatt versammelt waren, war spontan. Alle standen auf und applaudierten lange. Wie von ihm angekündigt, hat Andreas Unfried dann die Veranstaltung verlassen. Damit begann die Zeit, mit dieser Information und dieser Veränderung umzugehen.
Viele, mit denen wir sprechen konnten, haben es als ausgesprochen hilfreich erfahren, dass Bischof Dr. Georg Bätzing da war. Die Wahl seiner Worte, die Tonalität, mit der er gesprochen hat – das war in dieser Situation ein großer Segen. Er und das Pastoralteam hatten sich am Donnerstag zuvor darauf verständigt, dass ab diesem Zeitpunkt der Tag nicht wie geplant durchgeführt werden kann, sondern dass die Menschen selbst dem Tag die weitere Dynamik geben.
Überraschung, Betroffenheit, Trauer, Traurigkeit, Enttäuschung, Fassungslosigkeit, Freude, Verständnis, Dank, Wertschätzung konnten in kleinen und großen Gesprächszusammenhängen ins Wort gebracht werden.
„Ich freue mich für ihn“; „Wie schwer muss es gewesen sein, die Beziehung nur heimlich leben zu können“, das waren vielfach die ersten Reaktionen gewesen, gefolgt von Äußerungen des Verlustes. Dass jemand geht, gehen muss, den man als Seelsorger, als Prediger, als Ermutiger und Ermöglicher sehr geschätzt hat, hat viel Betroffenheit und Traurigkeit ausgelöst.
Dabei blieb es nicht. Nachdem alles gesagt war, was in diesem Moment gesagt sein wollte, war der Wunsch im Plenum da, doch das vorzustellen, was man am Vormittag in sechs Gruppen gehört und erarbeitet hatte. Es folgte eine gute halbe Stunde, in denen sich die Beteiligten sehr konzentriert und intensiv der Zukunft zugewandt haben.
„Wir haben unseren Pfarrer verloren, was uns sehr schmerzt, aber wir haben nicht unseren Glauben, nicht unsere Hoffnung verloren“, so kann man die Stimmung am Ende des Tages zusammenfassen. Über viele Jahre hinweg ist – auch Dank seines Dienstes als Pfarrer - in den Christen und Christinnen der Pfarrei das Bewusstsein gewachsen, gemeinsam Kirche zu sein und diese Kirche auch weiterzuentwickeln zu können.
Am Abend war noch der Gottesdienst des Bischofs für die Pfarrei, der ebenfalls zu einer Visitation gehört. Dort hat der Bischof vor Beginn des Gottesdienstes die Situation erklärt. Neben der Wertschätzung und dem Dank für Andreas Unfried hat der Bischof auch die Pfarrei in den Blick genommen und seinen Eindruck von der Zukunftswerkstatt ins Wort gebracht: Er sagte unter anderem: „Ich bin heute einer erwachsenen Pfarrei begegnet.“ Er hat zugleich seine deutliche Wertschätzung für den in der Pfarrei in den letzten Jahren eingeschlagenen Weg der Kirchenentwicklung geäußert und auch seine Absicht, dies in Zukunft nicht ändern zu wollen.
Wie es hinsichtlich verschiedener Fragestellungen weitergeht, die sich durch den Weggang von Andreas Unfried ergeben, wird sich in der nächsten Zeit finden. PGR-Vorstand, Pastoralteam, Verwaltungsleiterin und Kitakoordinatorin sind froh darüber, dass die Pfarrei gut von der Bistumsleitung unterstützt wird. Mit Pfarrer i.R. Paul Lawatsch ist ein sehr erfahrener Pfarrverwalter gewonnen worden.
Ehren- wie Hauptamtliche sehen, dass die Herausforderungen durchaus beachtlich sind und dass es auch Veränderungen geben wird. Gleichzeitig ist die Pfarrei St. Ursula dadurch geprägt, dass viele Menschen Verantwortung für ihre Bereiche und Aktivitäten tragen. Bei vielen, die sich ehrenamtlich in der Pfarrei engagieren, ist dieser Tage die klare Entschlossenheit zu spüren, zusammenzustehen und den begonnenen Weg in der Pfarrei St. Ursula im Geiste der Vision weiter fortzuführen. Das gibt allen Beteiligten Mut und Zuversicht für die Zukunft. Es wird gut weitergehen mit der Pfarrei St. Ursula in Oberursel und Steinbach.
Darüber hinaus haben uns unterschiedlichste Reaktionen zum Weggang von Pfarrer Unfried erreicht. Hierbei dominiert das Verständnis für die nun getroffene Entscheidung. Zugleich wurden aber auch Unverständnis, Verletzung und Verärgerung geäußert. Vieles davon wurde in nicht hilfreicher Art im Licht der Öffentlichkeit verhandelt. In den Reaktionen wird angesichts des wachsenden Unverständnisses bezüglich der verpflichtenden Ehelosigkeit der Priester häufig auch eine zunehmende Distanz zur Institution Kirche überhaupt wahrnehmbar.