50 Jahre Grundsteinlegung St. Crutzen

2011-05-08 23:33:30

„Am Sonntag, dem 14. Mai im Jahr des Herrn 1961… wurde dieser Grundstein zum Bau der neuen Pfarrkirche St. Johannes, des Täufers gelegt.“ So steht es auf der Urkunde, die im Inneren des Grundsteins auf der Rückseite der heutigen Kirche St. Crutzen verborgen liegt. Ein neuer Ort für eine Kirche abseits der alten. Für die Zeit des Wirtschaftswunders und des Aufbruchs unmittelbar vor dem Konzil ist das geradezu typisch. Und selbst im Namen wurde Neuland betreten. Bis zur Weihe zwei Jahre später wurde er noch in „St. Crutzen“ in Anlehnung an das gleichnamige Kloster aus den Tagen des Bonifatius auf dem Riedberg verändert. Eine moderne Kirche wie ein Zelt, mit dem Strebewerk der Gotik und mit Beton auf der Höhe des technisch Machbaren ist entstanden.Der Blick auf das Gebäude und den Grundstein soll nicht vergessen machen: Das entscheidende an einer Kirche sind nicht die Steine und ihre Ausstattung. Für das Christentum sind nicht die Steine das Heilige. Das eigentliche Heiligtum ist die von Gott einberufene Versammlung „aus lebendigen Stein“. Kirchen sind Orte der Begegnung. Zum einen sollen sie die Tür öffnen für die Begegnung mit Gott, zum anderen sollen sie die Begegnung unter Menschen ermöglichen und als drittes die Begegnung mit sich selbst. Ein Kirchenraum ist umso sakraler (wenn es denn hier überhaupt eine Steigerungsmöglichkeit gibt), je mehr er solche Begegnungen im dreifachen Sinn zulässt. In diesem Sinn sind Kirchen besonders herausgehobene Orte, eben nicht „profan“ sondern sakral.Dieses Haus Gottes soll ein Haus der Begegnung sein: mit Gott, den Menschen und sich selbst. Das ist die bleibende Aufgabe für die Zukunft an die vielen lebendigen Steine von St. Crutzen. Eine Begegnung und Beziehung, die auch Menschen anspricht, die noch nicht lange hier wohnen. Eine Beziehung, die auch Menschen mit hineinnimmt, für die es andere wichtige Gotteshäuser gibt, weil sie vielleicht einer anderen Konfession oder Religion angehören.Was damals vor einem halben Jahrhundert Impuls für den Neubau war, ist nach wie vor aktuell: für die Begegnung Gottes mit den Menschen gilt es immer wieder neue Orte zu suchen. Es ist Neuland zu betreten. Es sind Orte nötig, die modern sind und zugleich die lange Geschichte der Glaubenden zu erzählen wissen. Orte, die herausgehoben sind aus dem Alltäglichen der Vernützlichung. Orte, die Menschen mit der Erfahrung beschenken, dass Gott wirklich da ist in den Räumen unseres Lebens.