Advent und Weihnachten - Zeit der „Fernstehenden“

2014-11-13 10:53:11

Gute Katholiken gehen sonntags in die Kirche. Gute Katholiken engagieren sich in der Gemeinde. Aber es ist zum graue-Haare-kriegen: Es gehen von den Katholiken nur gerade mal so 10-15% regelmäßig in die Kirche. Und engagieren tun sich noch weniger. Die große Masse sind sogenannte „Fernstehende“. „Karteileichen“ hat man früher schon mal böse gesagt. Aber es sind ausgerechnet diese Fernstehenden, die Kirche in ihrer gegenwärtigen Form nicht unwesentlich stützen und tragen: mit ihrer Kirchensteuer nämlich! Bleiben die eher ungemütlichen Alternativen: dass sie mit uns als Gemeinde nichts Rechtes anzufangen wissen, oder dass sie schlechte Erfahrungen mit einem Pfarrer oder mit ihrem christlichen Elternhaus gemacht haben? So lange sie fern stehen bleiben, werden wir das kaum erfahren. (Oder soll man sagen: So lange wir ihnen nicht näher treten?...)Advent und Weihnachten könnte man die Zeit der Fernstehenden nennen. Erstens kommen da manche, die sonst lieber fern stehen, eben doch in die Nähe. Was erleben sie dann mit uns? Freundliche Aufnahme – oder dass sie uns in der Christmette den Sitzplatz wegnehmen? Sind sie uns willkommen, spüren sie, dass sie uns fehlen, wenn sie nur selten den Weg zu uns finden? Zeigen wir ihnen, dass sie einen Platz bei uns haben?Weihnachten ist jedenfalls auch deshalb das Fest der Fernstehenden, weil es gerade die Fernstehenden waren, denen die Engel die Botschaft von der Menschwerdung Gottes als erste brachten. Die Hirten auf dem Feld waren sicher keine Kirchgänger. Fast könnte man meinen, Gott sei aber gerade für sie Mensch geworden.Eins ist sicher: Gott steht den Fernstehenden nicht fern. Er wird für sie Mensch. Für sie und für uns. Und nichts wünscht er mehr, als dass wir uns gegenseitig wieder näher kommen.Pfarrer Andreas Unfried