Ältere Menschen unter uns – Zeit der Ernte, Zeit der Veränderung

2015-03-21 15:43:32

Der Mensch wird von alleine alt. Aber ob sein Altern gelingt, hängt von ihm ab.Es ist eine hohe Kunst in guter Weise älter zu werden.Wir brauchen heute in unserer Gesellschaft ein neues Gespür für die Weisheit und den Sinn des Alters. Damit heben und schützen wir den Schatz, der die Erfahrungen und Bedeutungen der Menschen mit einer langen Lebensgeschichte in sich birgt. Und sogleich lässt uns die Wertschätzung des Alters auch unser eigenes Älterwerden positiv betrachten. Jeder Mensch wird täglich älter.Das Nachdenken über das Alter ist daher nicht nur für ältere Menschen wichtig, sondern für jeden Menschen. Sein Leben gelingt nur, wenn er sich dem Prozess des Älterwerdens stellt. Über das Alter zu reflektieren ist auch immer ein Nachdenken über das Geheimnis des Menschen an sich.Ich habe in der Gemeindekrankenpflege viele alte Menschen erlebt, denen das Altwerden gelungen ist. Egal, ob sie unterstützungsbedürftig oder pflegende Angehörige waren, sie strahlten eine Zufriedenheit aus. Oft waren es die Menschen, die ihren Lebenssinn im Glauben verankert hatten, soziale Kontakte hatten und auch immer offen für Neues waren.Viele unserer ehrenamtlichen Mitarbeiter in der Caritas sind Menschen, die schon lange im Rentenalter sind und neue Tätigkeitsfelder suchen. Egal ob in der allgemeinen Altenarbeit, im Hospizbereich oder in der Betreuung demenzkranker Menschen, alle profitieren aus der Lebenserfahrung und der persönlichen Zuwendung dieser Ehrenamtlichen. Zeit geben können und nicht mehr dem Druck der Arbeitswelt genügen müssen, ist ein besonderes Geschenk sowohl für den Empfangenden als auch für den Ehrenamtlichen.Allerdings gibt es auch andere alte Menschen, die mit ihrer Situation hadern und sehr unzufrieden sind, von nichts mehr was wissen wollen und warten, bis andere was für sie tun. Es gibt sehr unterschiedliche ältere Menschen, solche, die eine tiefe Schönheit und Reife ausstrahlen, und andere, die bloß noch verhärmt sind. Strahlend oder glanzlos im Alter. Das hängt mit vielem zusammen. Entscheidend für die Art des Altwerdens ist,- unabhängig vom Verlauf des Lebens-ob wir einen Sinn im Leben gefunden haben. Ich erinnere mich an eine über 80 jährige Dame, die mir sagte: “Ich frage mich nicht, was ich nicht mehr kann, sondern ich frage mich was ich, was ich jetzt kann, und das ist ganz viel. Ich kann nur dankbar sein, dass ich mit Gottes Hilfe bis jetzt alles so gut geschafft habe.“Im Alter werden wir ganz existenziell mit der Frage konfrontiert: Was glaubst du denn wirklich? Wie ist es, wenn dein Leben jetzt zu Ende geht? Was hält dich? Was trägt dich? Kannst du dich fallen lassen? Und was ist, wenn das Leben mit Kranke1ten so unerträglich wird, dass man am liebsten weg wäre, um sich selbst und vor allem den Anderen nicht zu Last zu fallen. Was Glaube im Alter ausmacht ist, den Weg im Vertrauen auf Gott weitergehen, der in Jesus Christus unsere Wege weiter mitgegangen ist bis in den Tod.Wir haben die Zusicherung Gottes: Ja ich will euch tragen bis zum Alter hin (Jes.46,4)