"Alles ändert sich”

Vielleicht erinnern Sie sich: Im Jahr 2018 gab es in meinem Bundesland Kerala Überschwemmungen, von denen auch meine Familie lebensbedrohlich betroffen war. Als das Wasser auf unser Feld und unserem Haus sehr nahe kam, dachten wir, dass jetzt alles vorbei sei. Das würde Leben kosten, das Leben meiner Familie genauso wie alles Leben in unserem Land. Es war eine Zeit, so ähnlich wie heute angesichts der Corona-Pandemie. Ich glaubte, alles würde zu Ende gehen. Nichts anderes konnte ich damals sehen, so tief war ich getroffen. Aber damals durfte ich, durften wir erfahren: Mit Gottes Gnade geht das Leben weiter. Auch meine Familie wurde gerettet.

Das Leben in Kerala hat sich nach der Flut verändert. Das Wasser hat viel zerstört. Doch in der Zeit der Krise hat sich auch Gutes entwickelt. So viel Hilfsbereitschaft hatten wir noch nie erlebt. Nächstenliebe erfuhren die Menschen im wahrsten Sinne des Wortes. Gotteshäuser wurden für viele Menschen zu Orten der Zuflucht. Es machte keinen Unterschied, welcher Religion man angehörte und ob man reich oder arm war. Der Mensch als Mensch stand im Mittelpunkt.

Auch wenn vieles wieder vergessen worden ist, manche positive Veränderung ist geblieben. Ja, vielleicht können wir diese erst nach einer solchen Katastrophe wahrnehmen.

 

Auch das Corona-Virus verändert unser Leben dramatisch. Es ist eine sehr schwierige Zeit, alles ist ungewiss. Viele fragen sich: Habe ich das Corona-Virus schon oder werde ich damit infiziert werden? Wie lange muss ich mit dieser Sorge leben? Es gibt viele Fragen, auf die wir keine Antwort haben. Aber wenn wir trotz aller Sorge genau hinsehen, erkennen wir auch viel Gutes: Wir erleben viele helfende Hände und viele kreative Ideen, wie wir unseren Glauben gestalten können, und wir können mehr Zeit für unsere Familie finden. In jeder Krise stecken auch Chancen!

 

Ob es mir gefällt oder nicht, die Welt verändert sich, Menschen verändern sich. Das ist das Gesetz der Natur. "In steter Veränderung ist diese Welt. Wachstum und Verfall sind ihre wahre Natur. Die Dinge erscheinen und lösen sich wieder auf. Glücklich, wer sie friedvoll einfach nur betrachtet”(Buddha).

 

Heraklit schreibt über den Wandel ”Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen, denn andere Wasser strömen nach.” (Fragmente, B 12) Alles ändert sich, Menschen, Tiere, Natur, ja das ganze Universum. Unser Glaube und unsere Hoffnung an Gott helfen uns, einen positiven Blickwinkel auf die Situation zu haben und entsprechend damit umzugehen.

 

Papst Franziskus ermutigt uns:

 “Denn das ist Gottes Stärke, alles was uns widerfährt zum Guten zu wenden, auch die schlechten Dinge. Er bringt Ruhe in unsere Stürme, denn mit Gott geht das Leben nie zugrunde.“

(Aus seiner Predigt am 27.März bei der Feier auf dem Petersplatz, die mit einem außerordentlichen Segen „Urbi et Orbi“ endete)

 

Pfarrer Xavier Manickathan