Am Ende wird alles gut!

2018-10-28 14:18:42

Am Ende wird alles gut!Die biblische Geschichte vom blinden Bartimäus wird gerne erzählt, denn am Ende wird alles gut. In den Heilungsgeschichten werden die Gebrechen oft konkret genannt: Blindheit, Taubheit, Stummheit. Und am Ende wird alles gut. Die Zusage haben wir, am Ende wird alles gut. Das kann uns Trost und Zuversicht sein, wenn wir um einen geliebten Menschen trauern, im November der Toten gedenken, uns unserer eigenen Vergänglichkeit erinnern. Doch braucht es für ein geglücktes Leben mehr, als nur eine Vertröstung auf das Jenseits. Jesus hat sich den Menschen zugewandt, sich von ihrer Not anrühren lassen. Wie sieht es bei uns aus? Verletzungen an Leib und Seele, wohin ich schaue: Im Alltag, im politischen Weltgeschehen und leider auch bei uns in der Kirche. An dem Ort, der Heilung für Leib und Seele sein soll, geschah und geschieht das Gegenteil. Seien es die erschreckenden Missbrauchsfälle und der Umgang damit, seien es die Ausgrenzungen von Menschen, die nicht nach den katholischen Moral- und Sexualvorstellungen leben, die herabwürdigende Wortwahl unseres Papstes zum Schwangerschaftsabbruch, sei es die Verweigerung für eine 3. Amtszeit des Rektors der kath. Theol. Hochschule St. Georgen,…Was für blinde und taube Menschen waren und sind denn hier unterwegs im Namen des Heils? Glaubt wirklich noch jemand: So wird alles gut? Wenn wir die Augen verschließen, anderen den Mund verbieten, oder selbst nur stumm abwarten? Bartimäus wusste, das reicht nicht! Er begehrt auf, schreit, lässt sich nicht abwimmeln, fordert Gehör und das eigentliche Wunder geschieht: Jesus ruft ihn, fragt ihn, was er will. Jesus spricht nicht mit anderen über ihn, sondern sucht die direkte Begegnung, nimmt ihn wahr als Mensch in Not und lässt sich anrühren. Wie gut täte es uns in der Kirche miteinander anstatt übereinander zu reden, barmherzig und heilmachend zu reagieren, anstatt auf Normen und Regeln zu beharren. Auch dann wird noch lange nicht einfach alles gut. Für Bartimäus änderte sich alles. Sein Leben als Bettler ist vorbei, nun muss er auf andere Weise Geld verdienen, sich einen neuen Platz im Leben suchen. Es ist nicht alles einfach gut, aber er wurde als Mensch gesehen und gehört und kann nun selbst entscheiden, wie es konkret in seinem Leben weitergeht, mit der befreienden Zusage: Am Ende wird alles gut!Elke Peglow, Pastoralreferentin