„…antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig“
„…antwortet aber bescheiden und ehrfürchtig“ – Es klingt schon ein wenig nach
Poesiealbum, was der Briefschreiber in der Autorität des Apostels Petrus den bedrängten
Christen in Kleinasien schreibt. „Dass ihr mir nur ja schön brav seid. Ich will da keine Klagen
hören“ So in etwa. Aber das griechische Wort: praüs, das hier mit „bescheiden“ übersetzt
worden ist, hat ein anderes Bedeutungsumfeld. Im Matthäusevangelium benennt sich Jesus
selbst so: als sanftmütig und von Herzen demütig. Und in den Seligpreisungen werden die
Sanftmütigen gepriesen. Immer mit demselben Wort. Sanftmut soll die Christen auszeichnen.
Sanftmut sollte man nicht mit Schwäche verwechseln.
Sanftmut bedeutet nicht Nachgiebigkeit. Sanftmut ist nicht wehrlos. Alles andere als das.
„Sanfte Zunge bricht Knochen“ heißt es im Buch der Sprichwörter im Alten Testament. Nicht
umsonst steckt in Sanftmut auch der „Mut“. Sanftmut ist Stärke unter Kontrolle.
Wenn der Petrusbrief die Christen auffordert bescheiden, sanftmütig aufzutreten, dann fordert
er nicht zu Duckmäusertum auf. Vielmehr geht es um eine Stärke, die sich nicht beweisen
braucht. Auch deswegen nicht, weil sie nicht allein aus mir selbst kommt. „Ehrfürchtig“ ist ja
das zweite Wort, zu dem der Brief auffordert. Christen sollen sich ihres Gottes bewusst sein.
Und wissen, dass ihnen von diesem Gott her Kraft zukommt. Kraft zum Widerstand gegen
das Böse. Kraft zum Aufbau einer Welt, wo Liebe und Gerechtigkeit einen Platz haben.
Diese Kraft Gottes braucht keine Lautsprecherei. Im Gegenteil. Sie kommt mit leisen Tönen
aus.
Pfarrer Andreas Unfried