Auf dem Weg zum Leben

2009-03-21 11:41:32

Die ersten warmen Sonnenstrahlen lassen die Natur aufbrechen. Endlich Frühling, der Winter hat so lang gedauert. Am Sonntag feiern wir den 4. Fastensonntag (Laetare), das Evangelium lenkt bereits den Blick aufs Kreuz „der Menschensohn muss erhöht werden, damit jeder, der an ihn glaubt, in ihm das ewige Leben hat“.Seit Aschermittwoch sind Christen eingeladen sich diesem Geheimnis – wieder neu – zu nähern. Die Fastenzeit ist ein Weg: Die folgenden Gedanken von Andrea Schwarz können Sie auf diesem Weg begleiten.Umkehr – oder Aufbruch?In der Fastenzeit ist in vielen Gebeten und Gottesdiensten immer wieder von Umkehr die Rede. Recht und schön – aber umkehren kann ich ja eigentlich nur, wenn ich mich überhaupt schon auf den Weg gemacht habe und dann erkennen muss, dass ich mich verlaufen habe oder in die falsche Richtung gegangen bin. Und die Erfahrung kenne ich gut: Wenn ich den falschen Weg gewählt habe, dann bleibt mir eben nichts anderes übrig, als zähneknirschend zu wenden, mich „umzukehren“, ein Stück Weg zurückzugehen…Das heißt aber auch, dass eigentlich nur derjenige umkehren kann, der immerhin schon mal aufgebrochen ist, losgegangen ist, das Risiko des Weges auf sich genommen hat, etwas probiert hat.Es gibt Menschen, die brechen nie auf, die gehen nie los. Die bleiben zu Haus am warmen Kachelofen sitzen und lesen spannende Abenteuerromane oder schauen Fernsehen – Leben aus zweiter Hand. Die machen alles so, wie es schon immer war – weil es schon immer so war. Mag sein, dass sie manchmal so viel Angst davor haben, etwas falsch zu machen, dass sie gar nichts mehr machen. Und leben gerade dadurch haarscharf am Leben vorbei…Ulrich Schaffer sagt einmal sinngemäß: „Sünde ist, vor lauter Angst, sündig zu werden, nicht mehr lebendig zu sein.“Das soll kein Freibrief dafür sein, zu sündigen „auf Teufel komm raus“. Aber es ist die Einladung dazu, Leben zu wagen, lebendig zu sein, aufzubrechen, loszugehen – auf die Gefahr hin, dass man dann manchmal vielleicht auch den falschen Weg wählt. Es heißt jedenfalls nicht, vor lauter Angst, etwas Falsches zu tun, gar nichts mehr zu tun…Warum nicht etwas probieren, etwas riskieren? Ist das Unmögliche wirklich unmöglich? Muss das Leben wirklich genau so und so sein? Geht es nicht auch ganz anders? Lasse ich wirklich zu, dass die Wirklichkeit meinen Träumen den Atem nimmt?Und eigentlich sind wir da mitten drin in dem, was Fastenzeit meint: Leben probieren, lebendiger werden, aufbrechen, Nachfolge antreten. Wenn Ostern der Sieg des Lebens über den Tod ist – dann sind diese Wochen die Zeit, genau dies einzuüben. Dann ist dies die Zeit, uns bewusst zu machen, wo und wie wir uns „eingerichtet“ haben, um erfolgreich den Aufbruch zu verhindern. Dann sind diese Wochen die Einladung, im Vertrauen auf den Gott, der das Leben will, aufzubrechen und das Leben zu suchen.Und wenn ich dann – aber bitte erst dann! – feststelle, dass der Weg, den ich gewählt habe, falsch ist, dass ich mich „ver – gangen“ habe, dann bin ich zur Umkehr eingeladen.Und gerade weil diese Einladung steht, darf ich mich getrost auf den Weg zum Leben machen, kann ich getrost aufbrechen!