Aufforderung zur Entschiedenheit

2011-07-07 18:36:24

Am 15. Sonntag im Jahreskreis hören wir das ziemlich bekannte Gleichnis vom Sämann. Ein Sämann geht auf das Feld, um zu säen. Es gibt verschiedene Gründe, warum aus manchen Samen nichts wird, nur ein Teil bringt Frucht. Eigentlich banal, denn klar: Damit aus einem Samen etwas wird, braucht es gute Bedingungen, und die nicht nur für den Start, sondern durchgängig. Richtig interessant wird das Gleichnis aber erst in der Deutung für die Menschen, die Jesus nachfolgen und sozusagen zum inneren Kreis gehören. Da zeigt sich einmal mehr, dass Jesus einen sehr klaren Blick für den inneren Menschen hat und innere Prozesse zu deuten vermag. Man kann das Gleichnis so lesen, dass es verschiedene Gruppen von Menschen gibt, die das Wort vom Reich Gottes unterschiedlich aufnehmen. Ich bevorzuge die Lesart, dass ich alle diese „Typen“ auch in mir selbst finden kann, ggf. zu unterschiedlichen Zeiten. Es sind Anteile, Facetten unseres Menschseins. Es kann sein, dass uns das Wort vom Reich Gottes zu Zeiten gar nicht erreicht und unser Herz kalt lässt. (Der Same, der auf den Weg fällt und von den Vögeln gefressen wird.) Da ist es dann gut, wenn man in einer Gemeinschaft unterwegs ist und da doch der eine oder die andere ist, die gerade mehr Feuer hat. Auch der ist uns wohlbekannt, der das Wort hört und es freudig aufnimmt, aber es an Beständigkeit mangeln lässt. (Der Same, der auf dem felsigen Boden aufgeht, aber keine Wurzeln hat.) Diese Strohfeuer-Erfahrung dürften wir alle schon mal gemacht haben. Begeisterung ist wichtig, gerade um etwas Neues zu beginnen, aber allein richtet sie es auch nicht. Und wie segensreich sind dann die an der Seite, die in Treue unbeirrt den Weg weitergehen, auch wenn es trocken wird und tolle Erfahrungen Mangelware sind. Und dann die Situation, dass die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum das Wort vom Reich Gottes ersticken. (Die Dornen, die die aufgehende Saat ersticken.) Wir wissen eigentlich, was uns gut tut. Wir spüren die Sehnsucht des inneren Menschen, sich mehr der Wirklichkeit Gottes zu öffnen. Wir wissen, dass das auch ein bisschen Zeit und Muße braucht, und Regelmäßigkeit. Und werden doch oft überwuchert von all den äußeren Anforderungen und den Strebungen und Bedürfnissen des äußeren Menschen. Wie gut, dass es immer wieder Weckrufe gibt, der inneren Sehnsucht mehr Raum zu geben.Ja, und manchmal, da hören wir nicht nur, wir verstehen auch, es erreicht unser Herz und es bringt uns in Bewegung – das Wort vom Reich Gottes. Und dann bringen wir auch Frucht. Ganz selbstverständlich tun wir, was zu tun ist, und die Liebe ist unsere Kraft. Vielleicht kann uns das Gleichnis von diesem Sonntag eine Einladung sein, wachsam auf unsere inneren Prozesse zu schauen und uns von Jesus zur Entschiedenheit auffordern zu lassen. Dass wir alle auch über „guten Boden“ verfügen, auf dem etwas wachsen kann und schon wächst, daran habe ich keinen Zweifel.