Aufräumzeit

2011-01-20 15:39:48

„Alle mal herhören: Es ist Zeit zum Aufräumen“ – schon im Kindergarten lernen die Kinder, dass es wichtig ist, nach dem Spielen aufzuräumen und erst dann etwas Neues beginnen kann.Ganz anders ist das Verhalten der Fischer, die von Jesus angesprochen werden. Sofort lassen Petrus und sein Bruder Andreas die Netze liegen und folgen dem Ruf Jesu: „Kommt her, folgt mir nach!“ Und sie sind kein Einzelfall, denn auch Jakobus und Johannes verhalten sich genauso. Von heute aus betrachtet regt sich Widerspruch. Es kann doch gar nicht sein, dass junge verantwortungsbewusste Menschen alles liegen und stehen lassen. Die Netze liegen lassen, das heißt heute kündigen, einfach gehen, das heißt heute Trennung. Schnell entsteht der Eindruck, dass die Familie keinen Stellenwert hat – ist die Aufforderung Jesu also rücksichtslos und egoistisch?Wie so oft verdichten die Evangelisten die Erzählung auf das Wesentliche. So bleibt offen, ob die Freunde Jesu nicht mit ihm diskutiert haben, es bleibt offen, ob sie dafür Sorge getragen haben, dass die Familie ernährt wird. Für Matthäus ist es auch nicht wichtig zu berichten, ob Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes sich für immer von ihrer Familie verabschieden oder nur eine „Aus-Zeit“ nehmen, um von Jesus zu lernen. Die Dynamik der Erzählung macht deutlich, wie stark die Anziehungskraft Jesu gewesen ist und auch heute noch ist. Jesu Ruf meint den ganzen Menschen. Seine Begründung ist eindeutig: „..denn das Himmelreich ist nahe.“ Nicht irgendwann in der Zukunft, keine Vertröstung, kein frommer Wunsch, sondern jetzt, hier und heute. Die Aufforderung Jesu ist heute so aktuell wie damals: Kommt her, folgt mir nach!Kannst Du es hören?