Bei Gott gibt es kein „zu spät“
Vielleicht kennen Sie das auch: „Mist, ich bin zu spät dran“. Ja, mag sein, aber hier ist das Erlebnis wenigstens noch möglich – nur eben mit Verspätung zu erreichen.
Viel schlimmer ist: „Zu spät – da ist nichts mehr zu machen.“ Futsch, aus der Traum. Ich bin gescheitert. Ich habe keine Chance mehr: dieses Ziel ist für mich in zu weite Ferne gerückt.
Und wie verhält es sich mit unserer Beziehung (oder Nicht-Beziehung?) zu Gott? Gibt es da ein „zu spät“?
Diese Frage kann wohl niemand letztgültig beantworten. Und doch treibt sie mich um.
Eigentlich sollte Gott an erster Stelle stehen in unserem Leben, die Ausrichtung an seinem Wort und Willen sollte unsere Haltung, unser Tun, unsere Liebe, unsere Entscheidungen prägen. Doch wo stehen wir da? Schaffen wir es, unserer Beziehung zu Gott überhaupt noch Raum und Zeit zu geben – eine Chance, dass es gelingen kann, unser Leben mit Gott?
Mir fällt die Bibelstelle Lukas 16,19-31 ein: Das Beispiel vom reichen Mann und vom armen Lazarus. Sie drückt eine Warnung, eine Mahnung aus, und auch etwas Unerbittliches: „Außerdem ist zwischen uns und euch ein tiefer, unüberwindlicher Abgrund, sodass niemand von hier zu euch oder von dort zu uns kommen kann, selbst, wenn er wollte.“ (Lukas 16,26) Ist das für den reichen Mann eine Aussage, die einem „zu spät“ gleichkommt?
Ich glaube fest, dass es Hoffnung gibt für den, der an Jesus Christus glaubt, auch über den eigenen Tod hinaus. Gott sei Dank gibt es, auch für den reichen Mann, die Möglichkeit, sich in seine Ohnmacht zu ergeben, die Differenz zwischen seinem Leben und seinem Lieben schmerzhaft zu erkennen und zu bereuen und einzuwilligen in das, was Gott für ihn vorgesehen hat.
So, meine ich, kann die Trennung von Gott wieder aufgehoben, überbrückt werden – und das zu jeder Zeit: ganz pünktlich.
von Jutta Schmidt