Christkönig

An Christkönig fand in meiner Kindheit und Jugend immer die Einführung der Messdienerinnen und Messdiener statt und der Kirchenchor sang seine große Messe, auf die er sich fast das ganze Jahr vorbereitet hatte. Bei Christkönig denke ich an ein feierliches Hochfest, da höre ich den lautem Gesang des Kirchenchors im Ohr, habe den Duft von Weihrauch in der Nase und sehe die glücklichen neuen Minis, die das erste Mal seit ihren Dienst ausüben dürfen. Christkönig – da muss man die Freude doch mal richtig rauslassen dürfen, dass Christus unser wahrer Herrscher ist, jenseits von allen irdischen Unzulänglichkeiten, die die Herrscher der Welt so haben.

Wenn ich das Evangelium des Tages lese, entdecke ich aber etwas ganz anderes. Kurz vor der Adventszeit werde ich auf einmal in die Passion hineinreingezogen. Ich will mich doch auf Weihnachten freuen, und auf eine besinnliche Adventszeit einstellen! Aber dann ist da der Spott der Führenden, der Spott der Soldaten, der Spott des Kriminellen - alle haben die Idee Jesus müsste doch seine eigene Haut doch retten wollen, wenn er wirklich König wäre. Die Anrede als Messias, als König der Juden, ist reiner Sarkasmus.

 

Was ist das für ein Herrscher der keine irdische Macht hat oder sie nicht zeigt? Was ist das für ein Herrscher der kein rotgoldenes Gewand und keinen maßgeschneiderten Anzug trägt, dem es nicht um seine eigene Haut geht, sondern nackt am Kreuz hängt? Was ist das für ein Herrscher der zulässt, dass Krieg in Europa und in vielen anderen Teilen der Welt herrscht und Menschen Angst um ihre Existenzgrundlage haben müssen? Ist es da nicht absurd den Weihrauch zu schwingen und dem Kirchenchor zu lauschen? Irgendwie ist es das und doch, meine ich, scheint da eine Hoffnung durch - eine Verheißung, die mehr ist, als man auf den ersten Blick sieht. Die Herrschaft der Welt hat nicht das letzte Wort: Das ist ein Bekenntnis mit dem man sich auch lächerlich macht und das Spott verdient. Aber für mich ist es eine Verheißung, die Hoffnung schenkt.