Das Weizenkorn

2012-03-24 18:45:09

Im bildlichen „Weizenkorn“ steckt viel Potential: es kann reiche Frucht bringen, aber dazu ist Einiges nötig. Im richtigen Umfeld muss es sich hingeben: bleibt das Weizenkorn ängstlich und verschlossen, fällt es nicht in die Erde und ist nicht bereit, die bisherige Lebensform aufzugeben, wird nichts daraus wachsen. Im Gegenteil: es wird ALLEIN bleiben. Erfahrungen von „Allein-Bleiben“ kennen wir alle: Isoliert-Sein, Einsam-Sein, nicht „dazu-gehören“ ist vielen von uns eine Horrorvorstellung. Sozialer Status, Jugend, Erfolg, Anerkennung und Gesundheit sind zerbrechlich und zu großen Teilen unserer Kontrolle entzogen. Das Entscheidende, was all dies im christlichen Sinn zur Berufung macht, ist, dass wir nicht für uns selbst berufen sind, sondern füreinander. In dem Wort „Berufung“ steckt „Ruf“ bzw. „gerufen sein“ drin. Berufung bedeutet demnach, sich aus etwas heraus“rufen“ lassen (zu sterben), um ein neues Leben zu beginnen. Entscheidend ist dabei, dass jeder Mensch eine Berufung hat, diese aber nicht leichthin objektivierbar oder vergleichbar ist. Als Christen sind wir berufen, den Weg des Loslassens und des Eintretens in die Freiheit zu gehen und nicht am alten festzuhalten. Denn unsere Berufung will uns aus der todbringenden unfruchtbaren Einsamkeit heraus in die Gemeinschaft führen. Berufen sein kann man nicht für sich selbst, sondern nur füreinander. Sich einzusenken als Weizenkorn in die Erde der Kirche, um miteinander zu leben ist eine Berufung, die immer neu gehört und mit Leben erfüllt werden kann. Gewiss lohnt es in den verbleibenden Tagen auf Ostern zu, innezuhalten und in sich hinein zu hören, welchen Ruf – also Berufung – wir verspüren, damit unser Weizenkorn nicht allein bleiben muss.