Den Bogen (ent- oder über-) spannen
Sommer, Sonne, Sommerferien – endlich Zeit für den Müßiggang: Manche wollen Ruhe, Ausspannen, Nichtstun und einfach nur auftanken. Weniger Erholungsbedürftige nehmen sich vor, in den Ferien alles unterzubringen, wofür sonst die Zeit fehlt;
sie sind rastlos unterwegs, um so viel wie möglich zu erleben. Also: Ferienzeit zum konsequenten Ausspannen oder zum Kompensieren von verpasstem Leben? – Beide Ansätze sind verbreitet.
Dazu fällt mir folgendes ein: Ein Bogen, der immer nur gespannt ist, wird irgendwann an der Spannung zerbrechen. Ein Bogen, der immer nur entspannt ist, verliert die Kraft, irgendwann einmal die Spannung auszuhalten. Damit er seine Spannkraft behält und seine Aufgabe erfüllen kann, sollte der Bogen immer wieder gespannt und auch entspannt werden.
Es geht um Ausgewogenheit. Im Christentum erinnert daran ein Prinzip namens
„Actio et contemplatio“ („Aktion und Kontemplation“). Es meint das Zusammenspiel von aktivem Handeln in der Welt einerseits und das In-sich-Gehen und Ausrichten auf das Göttliche in Gebet oder Meditation, andererseits.
Äußere Tätigkeiten und die innere Kraftquelle sind einander zugeordnet und bedingen sogar einander. Als Christ*innen sollen wir versuchen, Aktivität und Spiritualität im Blick zu haben und beidem möglichst ausgewogen Raum zu geben.
Wo und womit auch immer Sie den Sommer verbringen: Finden Sie eine gute Balance und - überspannen Sie den Bogen nicht.
Kerstin Kilb