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Der stumme Freund ohne Hochzeitsgewand

Die folgende Passage des aktuellen Sonntagsevangeliums (Mt 22, 1-14) macht mich nachdenklich:

11 Als der König eintrat, um sich die Gäste anzusehen, bemerkte er unter ihnen einen Menschen, der kein Hochzeitsgewand anhatte. 12 Er sagte zu ihm: Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen? Der aber blieb stumm. 13 Da befahl der König seinen Dienern: Bindet ihm Hände und Füße und werft ihn hinaus in die äußerste Finsternis! Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein. 14 Denn viele sind gerufen, wenige aber auserwählt.

Was hatte der Mensch nur falsch gemacht? Er war, wie viele andere auch, „gerufen“ und damit eingeladen zum Hochzeitsmahl, das der König für seinen Sohn ausgerichtet hatte. Er fiel jedoch offensichtlich dem König ins Auge, weil er für den Anlass nicht angemessen gekleidet war. Und dann eine solche harsche Reaktion des Königs? Ein indiskreter Rausschmiss und Bestrafung? Wie krass!

Ich merke, wie ich damit hadere. Wegen einer Äußerlichkeit, einer Etikette, die, zugegeben, keine Kleinigkeit war, soll der Gast hinausgeworfen werden, dass ihm quasi Hören und Sehen vergehen? Das kann ich mir nicht vorstellen. Ich werde aufmerksam auf den Satz: „Der aber blieb stumm.“ Mein Verdacht: Wären dem Menschen jetzt nur die richtigen Worte eingefallen – oder noch besser: hätte er sein Herz sprechen lassen –, er wäre vielleicht willkommen gewesen und hätte bleiben dürfen. Er wird Gründe gehabt haben, weshalb er nichts gesagt hat. Welche, wissen wir nicht.

Was also sollen wir an diesem Gleichnis („Mit dem Himmelreich ist es wie…“) genau verstehen?

Vielleicht dies: dass wir sagen sollen, was ist. Dass wir in der Wahrheit bleiben dürfen, weil wir ohnehin nichts verbergen können. Dass wir aus unserem Herzen keine Mördergrube machen sollen. Dass wir uns nicht schämen sollen, wenn wir gesellschaftlich an den Rand gedrängt sind oder uns so fühlen. Gottes Liebe durchdringt alles. Gott will, dass wir uns ihm anvertrauen – ohne Vorbehalte.

Angeredet als Freund, hätte der Gast vielleicht antworten können: „Du hast mich rufen lassen, damit ich an der Hochzeitsfeier Deines Sohnes teilnehme. Du hast den Tisch für alle reich gedeckt. So bin ich hereingekommen.“

 

Jutta Schmidt

Mitglied im Ortsausschuss St. Crutzen