Die Freude an Gott ist unsere Kraft

2012-02-13 23:12:41

Bekanntlich befinden sich die Hochburgen für Karneval oder die Fassenacht in katholischen Gebieten. Vor der Fastenzeit wollte man sich noch einmal richtig ausleben.Bestätigt sehen viele diese Haltung in dem Wort der Theresa von Avilla: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn Fasten, dann Fasten.“ Allzu oft hat man aber in unserer Kirche den Eindruck, als hätte fromm sein etwas mit trauriger Miene zu tun oder in der Kirche gäbe es wenig zu lachen, oder gar das Lachen sei verboten. Den Satz des Theologen Johannes Chrysostomus (4.Jh.) ‚ \"Christus hat nie gelacht\" interpretieren manche so, dass auch die Christen nichts zu lachen hätten, und dass an einer ernsten Miene wahres Christsein abzulesen wäre. Demgegenüber können wir an den großen Thomas von Aquin erinnern, nach dem ‚unerschütterliche Fröhlichkeit‘ und ‚zwanglose Heiterkeit‘ die Merkmale der Gläubigen sein sollen. Und der evangelische Theologe Karl Barth ruft uns ins Gedächtnis: \"Wer die Osterbotschaft gehört hat, kann nicht mehr mit tragischem Gesicht umherlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat...\".Unsere Vorfahren konnten damit besser umgehen. So gab es die Tradition des „Osterlachens“. Bei jeder Osterpredigt war die Aufgabe des Predigers, seine Zuhörer zum Lachen zu bringen. Denn Ostern birgt allen Grund zur Freude.Im Alten Testament beim Propheten Nehemia finden wir die Aufmunterung an das Volk, das angesichts seiner Vergehen und der Erinnerung an die Gesetze in tiefer Trauer war: „Die Freude an Gott ist unsere Kraft!“ (Neh 8,10).Dies dürfen wir auch sichtbar werden lassen – nicht nur an Fastnacht. Mögen die närrischen Tage, aber auch die Fastenzeit uns das Geschenk der Freude wieder neu bewusst werden lassen. „Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten“ (Mt 6,17) Diesen Text hören wir am Aschermittwoch.[i]Pfarrer Reinhold Kalteier[/i]