Die Unscheinbaren

Es sind die Unscheinbaren, denen die Wunder auffallen.

Jene, die im Hintergrund arbeiten. Die hart schuften, damit die anderen tun können, was sie tun. Jene, deren Arbeit notwendig ist – aber schlecht entlohnt. Jene, die vor zwei Jahren in einem Anflug von Solidarität beklatscht und dann bei den Bonuszahlungen übergangen wurden. Diese nehmen wahr, wenn ein „hoffnungsloser Fall“ plötzlich wieder selbständig atmet, wenn im Einkaufswagen neuerdings Saft- statt Bierflaschen liegen, wenn ein Alleinstehender auf einmal für zwei einkaufen kommt, wie glückselig entspannt die alte Dame nach dem langersehnten Besuch einschläft. Diese Leute sind es, denen Gott seine Wunder zeigt, die das Wunder erkennen und verstehen. Heute wie damals.

Schon in Betlehem: da waren es die Hirten bei der Nachtschicht. Und dann in Kana sind es die Kellner*innen, die Nebenjobber, die Beschäftigten mit den Muskelkraftaufgaben, die das Wunder live erleben. Eventmanager und Gastgeber hatten keine Ahnung woher plötzlich der gute Wein kam. Nur die Bediensteten, die genau hingeschaut und zugehört hatten „wussten Bescheid“ (so erzählt es die Bibel) – und Jesu Freunde wohl auch.  

Katrin Gallegos Sánchez