Edle Gesinnung?

2012-08-05 09:56:14

Was motiviert Sie, Gutes zu tun, ehrlich zu sein, Schwächeren zu helfen und sich gegen Ungerechtigkeit und für Frieden einzusetzen? - Die Aufzählung ließe sich natürlich noch erheblich erweitern…[i]„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut!“[/i] – Johann Wolfgang von Goethe[i]„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“[/i] – Erich KästnerDie beiden Zitate von Goethe und Kästner sind weit verbreitet und wurden mir in Form je einer Eintragung in meinem Poesiealbum quasi mit auf den Lebensweg gegeben. Gewiss nutzen auch heute noch viele Menschen die beiden Sätze als Handlungsmaxime – und was kann auch schon schlecht oder falsch sein an humanistischen Leitsätzen, die eine ehrenhafte menschliche Gesinnung propagieren? Natürlich nichts, wenn man ausschließlich auf das Resultat einer Handlung schaut, insofern es tatsächlich gut ist und allen Beteiligten nutzt. Aber aus christlicher Sicht ist es etwas kurz gegriffen, kommt es eben doch nicht nur an auf „das, was hinten rauskommt“ (H. Kohl), sondern auch auf die zugrunde liegenden Beweggründe. Gestern habe ich eine Nachbarin getroffen, die in einem anderen Teil desselben Hochhauses wohnt wie ich. Wir kennen uns seit Jahren – allerdings nur sehr oberflächlich und grüßen einander ab und an aus der Distanz. Auf ihre Frage, wie es mir gehe, antwortete ich ehrlich und ausführlich damit, dass es mir nicht gut geht und erläuterte die Gründe.Bemerkenswert war die Reaktion der Frau: obwohl sie gewiss keine Theologin ist und auch nicht weiß, dass ich einem seelsorglichen Beruf in der Kirche arbeite, versuchte mich zu trösten, ja bot sogar konkrete Hilfe in einem erheblichen Maß an. So weit, so gut. Das Interessante ist jedoch die Erklärung für ihre wohltuende Zuwendung. Sie sagte, dass sie als Christin, die den Glauben an Jesus ernst nehme, nicht ignorieren könne, wenn „ihr Nächster / ihre Nächste“ leidet und dass ich auf Jesus vertrauen solle, der jeden menschlichen Weg mitgehe. Diese „frommen“, christlich motivierten Beweggründe für die Hilfsbereitschaft der Frau unterscheiden sich deutlich von einem rein humanistischen Ansatz, bei dem der Mensch um seiner selbst willen um sich selbst kreist – und dessen handlungsleitende Gründe für die Wohltätigkeit nur innerweltlich bzw. zwischenmenschlich motiviert sind. Mich hat es bewegt und beeindruckt, dass meine Nachbarin bewusst ihren Glauben als Grund dafür benannt hat, helfen zu wollen und dass sie ihn als Quelle erkannt hat, schwere Krisen zu überstehen und Trost zu finden. Auch die Überraschung, von völlig unvermuteter Stelle Zuspruch zu erfahren tat mir gut. Jede und jeder von uns ist genau so berufen als Zeuge/in des Glaubens, Jesu Liebe weiter zu geben. Achten Sie doch mal auf Ihre inneren Beweggründe: Sind Sie im Alltag von Ihrem christlichen Glauben bewegt, das zwischenmenschlich Gute UM GOTTES WILLEN zu wollen oder hören Sie auf das innerliche „Über-Ich“ und befolgen die humanistischen Stimmen Kästners oder Goethes?So oder so wünsche ich Ihnen die schöne Erfahrung, Menschen zu begegnen, die aus ihrem Glauben heraus Gutes tun wollen.