Enge Pforte

2016-08-21 09:37:16

Enge Pforte! Es klingt ein bisschen unheimlich, wenn Jesus so eindringlich mahnt, die Tür zum Himmelreich sei eng, und vielen werde es nicht gelingen hineinzukommen. Haben also doch diejenigen Recht, denen die nachkonziliare Predigt vom barmherzigen und liebenden Gott, der den Seinen mit weit offenen Armen entgegenkommt, immer ein wenig zweifelhaft geblieben ist? Von wegen: Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind!Wer genau liest (Lukas 13,22-30) wird allerdings feststellen, dass Jesus über Zahlen gerade keine Aussage macht. (Würde mir ja am Ende auch nichts helfen, ob es nun viele oder wenige sind, die gerettet werden, solange nicht klar ist, ob ich selber dabei bin oder nicht!) Wogegen Jesus sich hier wendet sind zwei mögliche Fehlschlüsse: Wenn Gott so barmherzig ist, dass er sich der Sünder am Ende ja doch erbarmt, dann kann ich mir mit dem guten und gerechten Leben ja ruhig noch ein bisschen Zeit lassen…Das aber ist genauso eine Milchmädchenrechnung wie jene andere, die kalkuliert, dass die eigenen guten Werke wohl schon ausreichen werden, um wenigstens sozusagen im Mittelfeld der potentiell zu Rettenden unterzukommen…Weder Lauheit noch das Gefühl der eigenen moralischen Erhabenheit taugen aber für ein gutes Leben. „Ihr habt aber nur das eine, begrenzte, einzigartige Leben“ mahnt uns Jesus. „Seht zu, dass ihr nichts von diesem, eurem Leben verschwendet, vergeudet, vertut!“. Das hat gar nichts mit Heilsangst zu tun. Und schon überhaupt nichts damit, dass es zweifelhaft sein könnte, ob Gott wirklich gut und erbarmend ist. Wenn hier was zweifelhaft ist, dann ob ich wirklich mein Leben lebe, den Tag auskaufe und wirklich wahrnehme, was ist.Pfr. Unfried