Freunde

2018-05-07 22:06:29

Im Evangelium des sechsten Ostersonntags geht es um Freundschaft.Jesus nimmt eine Verhältnisbestimmung zu den Jüngern und gleichermaßen zu uns - zu Ihnen und mir - vor und nennt uns Freunde. Für die meisten von uns sind Freunde extrem wichtig, aber auch kostbar und mit ansteigender Lebenszeit immer schwieriger zu finden.Während es als Kind oft ausreicht, etwa in dieselbe Schulklasse zu gehen oder ein gemeinsames Hobby zu haben um Freunde zu werden, gestaltet es sich später im Leben meist schwieriger. Denn die Unvoreingenommenheit, die Selbstverständlichkeit, auf andere zuzugehen und die Bereitschaft zu vertrauen wird gewöhnlich im Verlauf des Lebens, insbesondere nach erlittenen Enttäuschungen, tendenziell geringer; und eine Freundschaft fordert den Beteiligten immer noch etwas ab: nämlich Zeit füreinander, die ja bekanntlich ein immer rareres Gut wird. Freunde müssen etwas miteinander erleben können, sie müssen prinzipiell bereit sein, am Leben des anderen teilzuhaben und auch von sich selbst etwas preiszugeben.Nur aus einer in der fernen Vergangenheit liegenden gemeinsamen Zeit und Erinnerungen daran lässt sich eine Freundschaft kaum aufrechterhalten.Damit sie lebendig bleibt, muss eine Freundschaft gepflegt werden, sonst geht sie ein wie eine verwelkende Blüte. Damit dies nicht passiert, ist es nötig, die Nähe zueinander zu bewahren, was über größere räumliche Distanz zwar schwierig, aber nicht unmöglich ist. Denn es ist unbedingt erforderlich, sich Zeit füreinander zu nehmen, gemeinsame Interessen wahrzunehmen und füreinander da zu sein, wenn es einem der Freunde schlecht geht und er oder sie Zuspruch oder konkrete Hilfe braucht. Wahre Freunde können sich untereinander so zeigen, wie sie wirklich sind. Da braucht es keine „Maske“ und keinen „Panzer“ um das „wahre Ich“ zu verstecken oder zu schützen. Denn wo Freundschaft ist, ist Vertrauen; Vertrauen, das ermöglicht, einander in schlechten Zeiten auszuhalten und beizustehen.Vertrauen, dass Schwächen nicht ausgenutzt oder bloßgestellt werden.Vertrauen, dass ich in meiner Verletzlichkeit gut aufgehoben bin, selbst wenn der Freund mal kritische Worte hart ausspricht. Vertrauen, dass wir einander nach Enttäuschungen verzeihen und ein Neubeginn möglich ist.Vielleicht denken Sie gerade beim Lesen dieses Textes an einen ganz bestimmten Menschen aus Ihrem Leben, Freundin oder Freund? Mir jedenfalls geht es beim Schreiben so – allerdings denke ich nicht nur an eine konkrete menschliche Freundschaft, sondern ich denke auch an die Freundschaft Gottes zu uns Menschen, von der Jesus im Evangelium spricht. Die hier beschriebenen Merkmale treffen auch auf diese Freundschaft zu: Gott ist uns herzlich zugetan, er liebt uns und sieht in uns mehr als Knechte oder stille Sympathisanten. Das gemeinsame Interesse gilt dem Wachstum der Liebe und des Friedens unter uns Menschen. Die Liebe zu leben und der Umgang mit dem Scheitern daran hat in dieser Freundschaft höchste Priorität: im Extremfall kann das erfordern, die Feinde zu lieben oder sogar das eigene Leben zu verlieren. Im Alltag bedeutet es, den Glauben entschieden in der liebevollen Hinwendung zu meinen „Nächsten“ zu leben und nicht zu allem „Ja und Amen“ zu sagen.Wie die zwischenmenschlichen Freundschaften, sollte auch unsere Freundschaft zu Gott gepflegt und lebendig gehalten werden. Wie tun Sie das? – Eine Anregung: Das neue Format „[b]Glaubensbegegnung[/b]“ lädt ein, miteinander für eine Stunde zu einem Glaubensthema mit anderen in einen persönlichen Austausch zu gehen. Am [b]23. Mai um 20.00 Uhr in St. Hedwig[/b] geht es um das Thema „[b]Beten[/b]“, also sozusagen um unsere Sprache der Freundschaft zu Gott… [i]Sie sind herzlich eingeladen![/i]