Gebt ihr ihnen zu essen

2014-07-29 09:49:30

Es war alles anders geplant: Jesus hatte allein sein wollen. Jetzt waren die Leute ihm nachgestiegen mit ihren Nöten und Sorgen und den Kranken, für die sie sich Heilung erhofften. So ging das den ganzen Tag lang. Und die Jünger rollten schon mit den Augen. Endlich fassten sie sich ein Herz: „Meister, du musst die Leute nach Hause schicken. Es ist schon spät und irgendwann werden sie Hunger bekommen. Es reicht jetzt!“„Gebt ihr ihnen zu essen.“ – „Wir haben nichts“ (Und außerdem sind wir dafür gar nicht zuständig. Sind doch alles erwachsene Leute. Und wo kämen wir denn da hin, wenn wir jetzt auch noch das Catering für die Leute machen sollten…)Wie die Geschichte in der Bibel ausging ist bekannt. Jesus zeigt sich unbeeindruckt. Die Jünger können denn doch noch etwas Brot auftreiben. So gut wie nichts zwar aber immerhin. Und Jesus heißt sie austeilen, und die Leute werden satt. Alle. So satt, dass für ganz Israel noch Brot übrig blieb. Zwölf Körbe: für jeden Stamm einer.Wie die Geschichte bei uns in der Kirche ausgehen wird, ist noch nicht so sicher. Freuen wir uns über die Leute, wenn sie denn mal kommen? Oder sind wir eher genervt, weil sie sich nicht mehr zu benehmen wissen in der Kirche, vergessen das Handy auszuschalten und an der falschen Stelle applaudieren. Die Kluft zwischen den Kirchgängern und den normalen Leuten von der Straße ist groß geworden. Bei manchen Gelegenheiten merken wir das dann: An Heilig Abend und beim Schulanfang, im Firmgottesdienst oder beim Brunnenfestgottesdienst. Soll man sich da endlich mal ehrlich machen und sagen: Lasst uns die Leute wegschicken. Es ist spät, zu spät geworden, als dass wir noch zusammenkämen mit denen? Oder dürfen wir weiterhin auf das Wunder hoffen, dass im Teilen Fülle entsteht? Man wird es nur herausfinden, wenn man es versucht.Pfr. Unfried