Gemeinsam Kirche sein

2015-11-03 11:43:11

Gemeinsam Kirche sein! An diesem Sonntag wird der neue Pfarrgemeinderat gewählt. Eigentlich Routine und gute Gewohnheit. Jedenfalls in unserem Bistum. Allerdings längst noch nicht überall in der katholischen Welt. Im Gefolge des Zweiten Vatikanischen Konzils und maßgeblich inspiriert vom damaligen Bischof Wilhelm Kempf ist unser Bistum konsequent den Weg zu einer synodal verfassten Kirche gegangen. „Im Zusammenwirken mit dem Pfarrgemeinderat“ leitet der Pfarrer die Pfarrei. Und er ist nicht der Vorsitzende dieses Leitungsgremiums. Was uns zur Selbstverständlichkeit geworden ist, das macht immer noch manchem klerikal Denkenden in der Kirche Bauchschmerzen. Dabei ist es ein starkes Stück Kirche, auf das wir stolz sein können.Nein, die Synodalordnung hat uns nicht paradiesische Zustände bereitet. Sie hat uns nicht einmal vor der schlimmsten Krise unseres Bistums unter der autoritären Führung des letzten Bischofs bewahrt. Aber die synodalen Strukturen haben immerhin insoweit funktioniert, dass sie den Dialog innerhalb des Bistums in dieser dramatischen Zeit nicht haben zusammenbrechen lassen. Es waren der Diözesansynodalrat und der Priesterrat sowie etliche Pfarrgemeinderäte und in der krisenhaften Zuspitzung auch etliche Stadt- und Bezirkssynodalräte, die mit ihren Stellungnahmen der problematischen Amtsführung von Bischof Tebartz-van Elst die Grenzen aufgezeigt haben.„Synodaler Weg“ heißt übrigens nicht einfach Demokratie, wenn damit gemeint ist: Die Mehrheit entscheidet. Tatsächlich fallen im Pfarrgemeinderat die Entscheidungen nur ganz selten durch Kampfabstimmungen. Die Regel ist, dass so lange und intensiv beraten wird, bis ein breiter Konsens erzielt ist. Synodaler Weg bedeutet, dass keiner die Wahrheit für sich gepachtet hat, dass die besten Lösungen eben im Gespräch, im Dialog und im gegenseitigen Aufeinander-Hören gefunden werden. Mag sein, dass nicht jede Pfarrgemeinderatssitzung vergnügungssteuerpflichtig ist. Nicht jeder Redebeitrag ist geisterfüllt, nicht jede Beratung zukunftsweisend. Aber unterm Strich kann sich sehen lassen, was wir synodal miteinander auf den Weg gebracht haben. Ich freu mich auf den neuen Pfarrgemeinderat!Pfr. Unfried