Geweihtes Leben

2019-01-17 10:05:57

Geweihtes Leben! Das Festgeheimnis von Darstellung des Herrn zeugt davon, wie das Jesus-Kind von seinen Eltern in den Tempel gebracht wird, um ihn dort Gott zu weihen und für die Geburt zu danken. Papst Johannes Paul II. hat das Fest darüber hinaus zum „Tag des geweihten Lebens“ gemacht. Gute Gelegenheit darüber nachzudenken, was das bedeutet: ein geweihtes Leben.Natürlich hat der Papst damals an die „Geistlichen“ gedacht – und in unserem Kontext denken wir dann sofort an den Mangel: dass es nämlich für unseren Geschmack gegenwärtig viel zu wenige geistliche Berufungen gibt. Für das Amt des Priesters sowieso, aber längst auch für die übrigen Seelsorgsberufe. Von der Krise der Orden gar nicht zu reden. Von diesen Erfahrungen des Mangels und der Krise ist es nicht weit zur Frage, was sich denn ändern müsste, um die Krise zu überwinden. Und ich sage Ihnen: weder „die Kirche“ noch „der Zeitgeist“ werden als Antwort ausreichen. Ich würde eher suchen in der Richtung von: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“.Denn, wenn man die Blickrichtung umkehrt, ist es gar nicht so ausgemacht, dass beim „geweihten Leben“ nur an den Klerus zu denken wäre. Trägt nicht jeder Christ das Licht Christi in sich, werden wir nicht zu Priestern und Propheten gesalbt in der Taufe? Sagt das nicht unser Glaube? Gibt es dann nicht vielleicht ganz viele geistliche Berufungen unter uns erst noch zu entdecken? Ist nicht in Wahrheit die unentdeckte Fülle und nicht der Mangel unser Thema? Und es sollte mich nicht wundern, wenn aus der Fülle des zu entdeckenden geweihten Lebens auch eine neue Begeisterung für die geistlichen Berufe erwachsen würde.Pfr. Andreas Unfried