Gute Hirten gesucht

2012-04-30 16:39:51

Am 4. Sonntag der Osterzeit betet die katholische Kirche um geistliche Berufe. Und das haben wir auch bitter nötig. Denn die geistlichen Berufungen mangeln uns an allen Ecken und Enden. Über den Priestermangel klagen wir bereits seit Jahrzehnten. Mittlerweile ist er aber unübersehbar geworden. Und wenn wir nicht die Mithilfe unserer rüstigen Pensionäre hätten, wären die Ostertage doch liturgisch sehr karg ausgefallen in unserer Pfarrei.Seit einiger Zeit zeichnet sich aber noch ein weiterer Mangel immer deutlicher ab: Auch in den übrigen Seelsorgsberufen, bei Gemeindereferentinnen und –referenten, Pastoralreferenten und – innen bleibt der Nachwuchs zunehmend aus. Das hat demografische Gründe (die Jahrgänge sind nicht mehr so breit wie einst) aber sicher auch damit zu tun, dass vielerorts Kinder- und Jugendarbeit in den Gemeinden nicht mehr so in der Breite vorhanden ist, dass darüber bei jungen Menschen Begeisterung für einen Seelsorgsberuf geweckt werden könnte.Und der Ausweg aus dem Dilemma? Verstärkte Gebetsanstrengungen? Warum nicht? Aber tun wir das nicht schon all die Jahre? „Import“ von Priestern und Ordensleuten aus den Jungen Kirchen? Dass wir Weltkirche sind, ist sicher eine Chance. Aber kann so wirklich die Lösung aussehen?Vielleicht ist die weltkirchliche Perspektive tatsächlich eine Hilfe – aber anders als zunächst gedacht. Vielerorts haben in Afrika, Lateinamerika und Asien die Gemeinden im Gefolge des letzten Konzils sich ohne viel hauptamtliches Expertentum mit nur wenigen Priestern und Ordensleuten um das Evangelium als ihre Mitte geschart. „Kirche in der Nachbarschaft“ steht dort für das geistliche Rückgrat vielfach sehr großer Pfarreien von manchmal mehr als 20.000 Katholiken. Vielleicht lässt uns der Heilige Geist den Mangel bei den Seelsorgern so spüren, damit wir endlich den Reichtum der Gnade bei den in Taufe und Firmung berufenen Christinnen und Christen stärker wahrnehmen lernen. Vielleicht muss so manches „Schaf“ erst noch entdecken, wie viel „Hirte“ in ihm oder ihr steckt.