Heimatprimiz

2016-10-04 13:34:20

Heimatprimiz- Ein Primizsegen sei es wert, ein paar Schuhsohlen dafür durchzulaufen – so der katholische Volksmund. Was macht diesen Segen so wertvoll und einzigartig? Dass der ihn spendende Priester noch ganz frisch und neu ist und sein Tun noch nicht angekränkelt von Routine, Enttäuschung und Alltagsgrau? Dass in diesem Segen noch etwas von der Weihegnade aus der Priesterweihe mitschwingt? Oder einfach der Zauber des Anfangs ganz allgemein – etwa wie beim Beaujolais primeur, um den jedes Jahr ein Gewese gemacht wird, obwohl der schnell zusammengeschusterte Wein alles andere als besonders schmeckt.Ja, "allem Anfang wohnt ein Zauber inne" (H. Hesse): es gibt so etwas wie die Kraft des Neuanfangs. Ein Priester, der sich neu in den Dienst nehmen lässt von Gott und seiner Kirche, der legt damit auch ein Bekenntnis ab zur Zukunftsfähigkeit von Kirche und Glaube. Ja, sagt er, das Evangelium ist es wert, dass ich mein Leben darauf gründe. Ja, die Menschen sind es wert, dass ihnen die gute Nachricht von Gottes Liebe nicht vorenthalten werden soll. So steckt eine Menge Hoffnung und Zuversicht in diesem Segen.Sodann ist der Segen bei der Heimatprimiz (Primiz = prima missa – erste Messe) für den Priester ein Zeichen der Annahme und Bestätigung durch seine Herkunftsgemeinde. Mitten unter diesen Menschen ist sein Glaube gewachsen und gereift. Zwar wurde er vom Bischof geweiht. Aber seine Weihe muss sich sozusagen "verkirchlichen", indem die Menschen den Dienst des Priesters in Anspruch nehmen. Denn: Für die Menschen ist er doch Priester geworden.Schließlich: im Segen des Priesters wird deutlich, worin seine Aufgabe künftig bestehen wird: den Segen Gottes glaubwürdig und spürbar zu vermitteln. Nicht exklusiv. Nicht als persönliches Privileg, das ihn auf eine "höhere Stufe der Gnade" heben würde. Er bleibt ein Kind Gottes, wie wir alle Kinder Gottes sind. Die unbedingte Liebe Gottes ist nicht steigerbar. Aber genau dies ist dem Priester aufgegeben, immer wieder allen in Erinnerung zu rufen. Pfarrer Andreas Unfried