Ich bin kein Christ
Zumindest nicht so, wie ich es gern wäre. Denn ich bin nicht frei von Neid, nicht ohne
Eigennutz, nicht immer gerecht. Ich urteile, ich lästere, ich stelle mich damit
bisweilen über andere. Kurz: Das ist vielleicht menschlich, aber ist das christlich?
Nicht wirklich, denn das Gebot der Nächstenliebe fordert mehr: sich dem anderen
zuzuwenden, uneigennützig zu handeln. Die Fähigkeit allein, die uns dazu
innewohnt, macht noch nicht zum Christen.
Also: Kann man überhaupt „Christ sein“?
Formal vielleicht – durch Taufe oder Kirchenzugehörigkeit. Aber reicht das? Wohl
kaum. Und selbst der Glaube: Ist er etwas, das man hat? Ein Besitz? Dann wäre der
eine „reicher“ als der andere – und „zack!“ schon erhöbe man sich über andere.
„Hm“, denke ich. „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein.“
Vielleicht liegt genau darin die Antwort: Christsein ist kein Zustand, sondern ein
Weg. Kein Etikett, sondern ein ständiges Ringen. Ein Werden.
Ich kann sagen: Zwar bemühe ich mich, strebe nach christlichen Werten, aber ich bin
noch lange nicht am Ziel.
Christ sein - das geht nicht. Christ werden – vielleicht. Jeden Tag ein bisschen mehr.
Brigitte Alderton