„Ich bin noch im Krankenhaus getauft worden, wenige Tage nach meiner Geburt.

Eifrige Nonnen haben dafür gesorgt, dass ich, getauft, mit meiner Mutter nach Hause konnte. Damit war das Wichtigste schon geschehen. Alles andere ergab sich von selbst.“

 

Das war in den sechziger Jahren so üblich, und niemand hat sich dagegen gewehrt. Schade, finde ich.

Taufe, sie steht meist am Beginn des Lebens, und auch dieses Jahr werden Kinder geboren, einige vielleicht auch getauft. Die Strategie der Kirche - Hauptsache getauft, zur Kommunion gegangen, gefirmt, katholisch verheiratet und seelsorgerisch begleitet bis in den Tod, ist vorbei, und das ist gut so.

Für mich braucht es zum Christsein eine persönliche, religiöse, spirituelle Erfahrung. Die Erfahrung, dass Gott etwas mit mir und meinem Leben zu tun hat. Wir alle, Kinder, Jugendliche und Erwachsene machen solche Erfahrungen. Doch sie werden kaum ins Wort, ins Gebet gebracht, angeschaut, mit anderen ausgetauscht, mit der biblischen Botschaft in Zusammenhang gebracht.

Ich bin zutiefst dankbar, wenn ich bei Trauergesprächen mit den Hinterbliebenen diese Erfahrungen ins Gespräch bringen kann. Die Lebensgeschichte eines Menschen kann sehr wohl mit der biblischen Botschaft in Zusammenhang gebracht werden. Schade, wenn das erst am Ende eines Lebens steht.

Glaube trägt mich durch Leben und Tod. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Gott in jedem Menschen präsent ist. Die Kunst besteht darin, das zu entdecken, zu sehen, zu glauben.

Wie gut, dass am Anfang des Jahres das Fest der Taufe Jesu steht. Eine große Geschichte zwischen Gott und den Menschen. Jesus beginnt seinen Weg unter den Menschen, wenn das kein Grund zum Feiern ist!

 

Anita Novotny