Ich steh an deiner Krippe hier...

2008-12-30 22:02:29

Sind Sie an den Feiertagen auch zu Besuchen unterwegs? Wenn nicht, wird sicher jemand bei Ihnen zu Besuch vorbeischauen. Weihnachten ist das Besuchsfest schlechthin. Von manch stressiger Begleiterscheinung einmal abgesehen, ist es eigentlich ein schöner Brauch. Das reizvolle an Besuchen ist ja das Neue, das sie mit sich bringen. Sie bringen immer ein bisschen Abwechslung und Veränderung. 1. Ich steh an deiner Krippe hier,O Jesu du mein Leben;Ich komme, bring und schenke dir,Was du mir hast gegeben.Nimm hin, es ist mein Geist und Sinn,Herz, Seel und Mut, nimm alles hinUnd laß dir\'s wohlgefallen. 2. Da ich noch nicht geboren war,Da bist du mir geborenUnd hast mich dir zu eigen gar,Eh ich dich kannt, erkoren.Eh ich durch deine Hand gemacht,Da hast du schon bei dir bedacht,Wie du mein wolltest werden. 3. Ich lag in tiefster Todesnacht,Du warest meine Sonne,Die Sonne die mir zugebrachtLicht, Leben, Freud und Wonne.O Sonne, die das werte LichtDes Glaubens in mir zugericht\'t,Wie schön sind deine Strahlen. 4. Ich sehe dich mit Freuden anUnd kann mich nicht satt sehen;Und weil ich nun nichts weiter kann,Bleib ich anbetend stehen.O daß mein Sinn ein Abgrund wärUnd meine Seel ein weites Meer,Daß ich dich möchte fassen ! Mit diesen Worten beschreibt der Dichter Paul Gerhardt einen besonderen Besuch – jener an der Krippe. Zu Beginn bringt der Besucher sich selbst mit. Dann geschieht ganz langsam etwas: der da so vor der Krippe steht, verändert sich. Er entdeckt, dass Gott ihn eigentlich schon immer im Blick hatte. Wie ein helles Licht strahlt dem Krippenbesucher in der dritten Strophe diese Gewissheit auf. Das Dunkel des Todes wird vertrieben durch das sonnengleiche Licht. Und am Ende bleibt dem Besucher die Sprache weg. Er ist überwältigt von der Schönheit, die er sieht. Er kann es gar nicht fassen. Staunend und anbetend steht er da, wie ein Kind. Er nimmt in sich ganz tief auf, was er sieht. Wenn Gott und Mensch sich besuchen, dann verändert das den Menschen.Es gibt die alte Tradition, an den Weihnachtstagen die Krippe zu besuchen. Vielleicht lassen Sie sich dabei in diesem Jahr einfach von Paul Gerhardt an die Hand nehmen. Die neue Krippe in St. Crutzen lädt Sie ein zum Besuch. An den Sonn- und Feiertagen zwischen 16 und 18 Uhr ist die Kirche für Besucher geöffnet.Kommen Sie einfach zu Besuch. Bringen Sie diesem Kind in der Krippe, was Sie auf dem Herzen haben. Bleiben Sie stehen, schauen Sie. Entdecken Sie Neues an diesem Besuch und staunen Sie über die Größe der Liebe Gottes. Sie werden merken, dieser Besuch verändert. Denn wie jeder Besuch zwischen Menschen Spuren hinterlässt, so wird es hier auch sein. Im Wort Besuch steckt es ja eigentlich schon drin: Gott sucht uns. Und wir suchen Gott.Mathias Wolf, Diakon