„Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25, 43)

2014-11-21 22:32:22

Wer kennt das Gefühl, mit leerem Magen und durstig in einem fremden Land unterwegs zu sein? Vielleicht im Urlaub: Auf der Suche nach einem Restaurant, konfrontiert mit einer unverständlichen Sprache auf der Menükarte. Wenn etwas schief gelaufen ist, galt es eventuell auch ein Hotel vor Ort zu organisieren, mehr nicht. Das Geld öffnete die Tür der Verständigung. Niemand musste auf der Strasse schlafen, sich verstecken oder hungern. In unserer Gegend sind auch fremde Menschen unterwegs, mit leerem Magen, durstig und sprachlos. Sie sind keine Touristen. Sie haben kein Geld und kaum jemand macht Ihnen die Tür auf. Wer das Evangelium nach Mt 25, 31-46 ernst nimmt, bleibt nicht bequem. Die dort bezeichneten „Gerechten“ nehmen Leidende auf. Sie geben sich aber damit nicht zufrieden. Sie suchen und besuchen Leidende. Nicht um des Menschensohnes Willen, Nein! Der Bruder und die Schwerster leiden! Das ist der Grund der Hin-Wendung, nichts mehr. Denn der Menschensohn identifiziert sich ungetrennt und unvermischt mit den so genannten „Geringsten“, ohne erkannt zu werden. Nach Mt 25, 34 ist jede und jeder von uns von Gott gesegnet, für alle ist sein Reich bestimmt, seit der Erschaffung der Welt. Das ist der erfreuliche Anfang eines jeden. Die persönliche Freiheit garantiert Gott von Anfang an. Ohne Verantwortung existiert diese Freiheit aber nicht. Daher werden am Ende der Zeiten die „Schafe“ von den „Böcken“ getrennt. Der Evangelist Matthäus verwendet damit Bilder, die im Buch Ezechiel beschrieben werden (Ez 34, 17-22): Die Böcke stoßen und drängten mit ihren Hörnern und breiten Körpern die schwachen Tiere weg. Sie werden als fette Tiere dargestellt, die auf der besten Weide satt werden und das übrige Gras zertrampeln, wenn sie den Hunger gestillt haben. Ebenso gehen sie mit dem Wasser um, wenn sie keinen Durst mehr haben, es wird verschmutzt. Die schwachen Schafe müssen dann mühsam das übrige Gras abweiden und dreckiges Wasser trinken. Daher ist es gut vorstellbar, dass die mageren Schafe das eigene zertrampelte Land verlassen müssen um zu überleben. Die Geringgemachten dürfen im Hier und Jetzt nicht mehr Opfer der fetten Böcke sein. Die Sorge um den Anderen meint also nicht nur ein aktives Mühen um die Leidenden. Im Weltgericht wird auch auf die Erhaltung angemessener Lebensbedingungen für alle geachtet.Linkt zum [url=http://www.kath-oberursel.de/cms/sebastian/Evangelium.pdf]Evangelium vom 23.11.2014[/url]Von Jorge Gallegos Sánchez (Diplomtheologe, zurzeit im Gemeindepraktikum in St. Ursula)