Kirche in der Stadt

2010-06-28 22:10:35

Immer wieder hören wir die Klagen von Gemeindemitgliedern: \"Die Leute kommen nichtzu unseren Gottesdiensten in die Kirche!\" Ja, wo sind die Menschen, wo sind die Christen?Die Zahlen und Statistiken sprechen für den christlichen Traditionsabbruch in Steinbach undOberursel eine deutliche Sprache. Das Modell \"Volkskirche\" ist am Ende. Lag der Anteilder Christen 1980 bei fast gleich bleibender Einwohnerzahlen bei 89,5%, so gehören imJahre 2008 noch knapp 50% der Einwohner zu den christlichen Kirchen. (Steinbach 53%,Oberursel 47%)Was sich hier in den letzten Jahrzehnten abgespielt hat, nennt man die Entchristlichungunserer Gesellschaft. Darunter leiden nicht nur die beiden großen Kirchen. Das hat auchKonsequenzen für unsere Gesellschaft. Diese Zahlen zu ignorieren und einfach so weiter zumachen wie bisher ist eine untaugliche Alternative. Wir können vor diesen Tatsachen nichtdie Augen verschließen und sollten uns nicht mit den Konsequenzen einfach abfinden.Entchristlichung der Gesellschaft bedeutet gleichzeitig einen enormen Werteverlust, mitdessen Auswüchsen wir immer wieder konfrontiert werden: Egoismus, Eigenwohl stehtüber dem Gemeinwohl, Sozialneid, Ausgrenzung von Menschen die nicht oder nicht mehrleistungsfähig genug sind.Welche Schritte sind daher nötig? Wie kann das Licht des Glaubens und dessen Werte auch inunserer Stadt wieder stärker zum Leuchten gebracht werden?1 . Das ist nicht nur die Sache der Verantwortlichen in der Kirche.2 . Wir müssen uns stärker unseres Glaubens vergewissern und sichern, was ist eigentlichunser Glaube. Das schwächt auch die Angst vor anderen Religionen und ermöglichteinen wirklichen Dialog mit ihnen (geschieht ja bereits)3 . Vergewisserung geschieht durch Glaubenspraxis: Gottesdienste mitfeiern,Gemeinschaft im Glauben suchen, auch mystagogische und spirituelle Erfahrungenmachen (im Gebet)4 . Aktive und praktische Schritte tun aus dem Glauben im Einsatz für die, die am Randeunserer Gesellschaft leben. Hier kann das Licht des Glaubens leuchten, hier kann dasLeben in der Nachfolge Jesu sichtbar und spürbar werden.An die Adresse der Kirchen und Ihrer Verantwortlichen ist zu sagen, dass der Umbruch, dernicht gewollt, aber geschehen ist, deutlich macht, dass wieder klarer Stellung zu beziehen ist.Nicht an Vergangenem krampfhaft festhalten, denn manches hat uns ja erst in diese aktuelleSituation gebracht.Tradition besteht nicht in der Bewahrung der Asche, sondern in der Weitergabe des Feuers.Wir alle sind Kirche, wir alle sind mitverantwortlich für unsere Stadt, unsere Kirche. AnFronleichnam hieß unser Motto Auftreten, nicht austreten! Treten sie in der Stadt auf, tretensie ein für christliche Werte wie Nächstenliebe, Vertrauen und soziale Verantwortung- denn Kirche ist nicht nur Zweckgemeinschaft, sondern zu aller erst eineSolidargemeinschaft.Kirche muss in der Stadt, in der Gesellschaft wieder präsenter, politischer werden.Kirche muss sich zeigen, muss rausgehen auf die Strassen und an die Orte, wo Menschenleben und zusammen kommen, muss dahin gehen, wo die Menschen wohnen. Kirche musssympathisch und einladend wirken - und es auch sein!Wenn uns das gelingt, ändern sich vielleicht auch wieder die Statistiken.