Manches dauert einfach unfassbar lang

2018-11-10 20:32:06

Manches dauert einfach unfassbar lang. Nein, es geht nicht um die katholische Kirche und die Reformunwilligkeit großer Teile ihrer Hierarchie. Es geht um das Frauenwahlrecht. Für uns ist es so selbstverständlich, dass wir das Jubiläum vielleicht kaum wahrnehmen. Am 12. November sind es 100 Jahre, dass das Frauenwahlrecht in Deutschland gesetzlich verankert ist. Viele spannende Aspekte kann man entdecken, sobald man sich mit dieser Fragestellung befasst. Nicht nur die Frauen kämpften damals um ihr Wahlrecht, auch Männer kämpften darum. Ob Mann wählen durfte, hing von den Finanzmitteln ab, über die man verfügte. Wer nun eine Solidarität all derjenigen erwartet, die vom Wahlrecht ausgeschlossen waren, muss sich eines anderen belehren lassen. „Je eher die Männer das uneingeschränkte Wahlrecht bekamen, desto länger mussten die Frauen darum ringen. Frankreich und die Schweiz wurden zu Nachzüglerstaaten, weil sie die ältesten Männerdemokratien Europas waren“ (Wikipedia). In Frankreich war es erst 1944 soweit und in Liechtenstein dauerte es, man glaubt es kaum, bis 1984. (In zwei Volksabstimmungen war die Einführung des Frauenwahlrechtes in den siebziger Jahren noch abgelehnt worden.) Der Zeitpunkt für die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschlang ist bemerkenswert. Es waren damals katastrophale Zustände. Der Krieg war verloren. Im Zuge der Novemberrevolution war ein Rat der Volksbeauftragten gebildet worden, der den Übergang von der Monarchie zur Republik zu gestalten hatte. Dieser Rat musste für einen Waffenstillstand sorgen. Und sie führten das Frauenwahlrecht ein. Wer weiß, wie lange es mit dem Frauenwahlrecht noch gedauert hätte, wenn Deutschland diesen Krieg gewonnen hätte. Manches dauert einfach unfassbar lang. Dabei gab es im frühen Christentum wunderbare, höchst bemerkenswerte Einsichten, die Gesellschaften und Ordnungen hätten tief beeinflussen können: „Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ (Brief an die Galater, 3,27f.)Wir haben noch immer zu tun, das einzuholen, was Paulus damals prophetisch ausgesprochen hat. Vieles in unserer Lebenswirklichkeit, auch der kirchlichen, atmet diesen Geist noch nicht, erst recht nicht, wenn man die ganze Welt in den Blick nimmt. Bleibt nur eines: Das zu tun, was Frauen und Männer damals bei der Erkämpfung des Wahlrechtes getan haben. Dafür eintreten, dass sich die Verhältnisse ändern. Susanne Degen, Pastoralreferentin