Mit Gott im Basar

2013-06-23 22:17:23

Haben Sie im Urlaub auch schon einmal um den Preis für das Mitbringsel gehandelt?Es ist ein nervenzehrendes Hin und Her, das sich da zwischen Händler und Käufer abspielt. Für Ungeduldige ist das nichts. Bei erfolgreichem Abschluss sind aber meist beide – trotz aller anderslautender Bekundungen – am Ende zufrieden.In der ersten Lesung vom 17. Sonntag am Jahreskreis am 28. Juli tauchen wir ein in die Welt des orientalischen Basars. Abraham und Gott handeln miteinander. Hartnäckig versucht Abraham den Preis runter zu handeln. Hier geht es aber nicht um Schmuck oder Vieh. Hier geht es um das Schicksal zweier Städte: Sodom und Gomorra, das Urbild der moralisch heruntergekommenen Menschheit.Gott will nachsehen, ob es da wirklich so zugeht, wie es bei uns sprichwörtlich geworden ist. Da geht Abraham zu Gott. Er ahnt wohl schon, wie die Prüfung ausgehen wird. Sein Argument, in eine Frage verpackt, lautet „Willst Du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen?“ Sollen also die guten Menschen in Sodom und Gomorra – und selbst wenn es nur 50 sind – für die anderen dran glauben müssen? Das wäre doch Unrecht!Und Gott lässt sich darauf ein. Wenn ich 50 Gerechte finde, dann vergebe ich allen. Wie ein geschickter Verkäufe,r so handelt Abraham Gott dann in kleinen Schritten schließlich auf zehn runter.Eine schöne Geschichte aus dem Basar, so hat es den Anschein. Es steckt aber mehr dahinter.Der Nomade und Viehhirte Abraham – von Hause aus kein Stadtmensch, sondern eher ein „Landei“ – hätte eigentlich allen Grund zu pauschalen Vorbehalten und Vorurteilen dem Leben in diesen Städten gegenüber. Aber er – der Gerechte und Unbescholtene - lässt davon nicht treiben. Abraham versucht diese Menschen zu retten. Hinter den glitzernden, faszinierenden oder abstoßenden Fassaden fordert er Gott auf, den Menschen zu sehen. Den Menschen mit seinen Hoffnungen und Schwächen. Das wenige Gute ist mehr wert als das Böse.Wenn Abraham es schon schafft, Gott runter zu handeln, um wie viel mehr dann uns? Schauen wir genau hin! Es geht nicht darum, leichtfertig jedem und allem zu glauben. Das wäre leichtsinnig und unvernünftig. Es geht darum, sich die Mühe zu machen genau hinzusehen, um einen Blick hinter die Fassade zu erheischen. Da sieht dann manches doch anders aus.Wie die Geschichte mit Sodom und Gomorra ausging? Im 19. Kapitel im Buch Genesis können Sie es nachlesen!Mathias Wolf, Diakon