Nachhaltige Predigten, Worte, Ideen- wer wünscht sich das nicht im Gottesdienst?

Ich habe das vor einigen Jahren am Christkönigsfest erfahren. Der damalige Prediger verband das Hochfest Christkönig mit Christbruder. Das hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Seit dieser Zeit hole ich an diesem Tag immer wieder das nachfolgende Gebet von Paul Roth hervor und meditiere es.

Wie viele Namen hast du eigentlich, Gott?

Und welcher ist der richtige?

Soll ich dich Vater nennen?

Väter können Tyrannen sein.

Soll ich dich Herr nennen?

Herren können Despoten sein,

die Sklaven regieren.

Soll ich dich König nennen?

Aber was sind Könige heute noch:

Staatssymbole mit keep smiling für Illustrierte.

 

Ich weiß, ich weiß,

alle diese Namen sind nur Chiffren,

sind Hilfswörter für Unbegreifliches,

Unaussprechbares.

Sie sagen etwas von dir,

über dich.

Sie sagen noch mehr über uns

und unsere Vorstellungen von dir.

 

Es gibt keinen Namen für dich,

der alles sagt,

für alle Zeit,

für jeden.

Weil nicht alles gesagt werden kann,

weil jede Zeit

und jeder Mensch

dich und deinen Namen neu finden muss.

 

Doch ich muss mit dir reden,

will dich ansprechen mit einem Namen.

Die alten sind mir fremd geworden.

Und ohne Namen, fürchte ich,

bist du mir fremd

wie die Stimme am Telefon,

die „Hallo“ ruft.

 

Lass mich dich Bruder nennen,

oder Freund, oder Gefährte,

oder einfach Jesus, oder nur Du.

Dann kann ich wieder zu dir sprechen,

dann haben auch alte Namen neuen Sinn.

Dann weiß ich dich neben mir,

in jeder Not, bei jeder Freude.

Ich muss doch mit dir reden,

ich kann nicht ohne dich sein.

 

 aus Paul Roth: Gott ist immer noch zu sprechen. Meditationen, Würzburg 1971 (S.15f)

 

Anita Novotny, Gemeindereferentin