Neuer Glanz

2014-10-09 23:28:20

Die Kirche - vollgestellt mit Gerüsten. Als wir im letzten Jahr die Kirche St. Crutzen renovierten, sah sie genau so aus. Das war kein schöner Anblick, aber es war notwendig, sonst hätten die Wände nicht gestrichen und die Lampen nicht installiert werden können. Und pünktlich zum Jubiläum waren die Gerüste dann alle wieder abgebaut und die Kirche erstrahlte in neuem Glanz. Hin und wieder sind Gerüste notwendig – auch in der Kirche. Aber sie sollten nicht stehen gelassen werden.„Schafft das hier weg!“ ruft Jesus zornig im Tempel. Sein Anliegen ist das Freiräumen. In der Kirche hat sich über die Jahrhunderte auch einiges angehäuft. Hilfskonstruktionen stehen da wie Gerüste. Sie sind nichts Schlechtes, denn sie helfen, sich in der jeweiligen Zeit zu orientieren und „dran“ zu bleiben. Aber Gerüste veralten. Sie sind in der Gefahr, sich mit der Zeit als das Wesentliche auszugeben. Und dann verstellen sie den Blick auf das Wesentliche. Solche Hilfskonstruktionen müssen immer wieder auch abgetragen werden. Reform der Kirche ist immer „Wegnehmen“, damit Christus als Herr der Kirche sichtbar wird.So hat das Christentum von an Anfang an immer auch einen kritischen Blick auf die Festlegung in Häusern aus Stein, auch wenn sie Gotteshäuser sein mögen.Paulus ruft ins Gedächtnis: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ (1 Kor 3, 16) Nicht die prächtigen Kirchenbauten machen das Christentum aus, sondern die Christen. Die Kirche ist lebendig, wo Menschen im Glauben an Gottes liebende Nähe ihr Leben aus dem Geist des Evangeliums gestalten. Nicht die Häuser aus Stein – so schön sie auch gestaltet sein mögen. Wir sollen Ort der Anwesenheit Gottes in der Welt sein. Am 9. November wird der Weihetag der Laterankirche in Rom gefeiert. Es ist die erste große Kirche des Christentums: von Kaiser Konstantin dem Papst geschenkt. Auf ihrer Fassade ganz oben steht in großen Buchstaben: PX. Das Zeichen für Jesus Christus. Darauf kommt es an: Christus ist der Grund der Kirche, und nicht Macht oder äußere Pracht.Alle alten Gerüste, die das verdecken, müssen bei Zeiten abgebaut werden. Nur dann strahlt die Kirche wieder.Mathias Wolf, Diakon