Oremus pro invicem

Beten wir füreinander! – Das ist Teil einer christlichen Grußformel – und das erste Mal habe ich sie auf dem Dankbildchen gelesen, das Pfarrer Brand zu seinem 50jährigen Priesterjubiläum verteilt hatte. Wenn ich mich richtig erinnere, ist es sein Primizspruch.

Dieser Wunsch, diese Aufforderung, diese Haltung fiel mir als erstes ein, als letzte Woche entschieden wurde, dass wir in unserer Pfarrei ab dem 27. Dezember bis zum Ende des Lockdowns keine Gottesdienste mehr feiern werden.

Beten wir füreinander! – In den Kathedralen unserer Herzen.

Ich probiere es so, dass ich mir viele Menschen vorstelle, mit denen ich zusammen im Glauben unterwegs bin. Ich versuche, sie mit dem inneren Auge zu sehen, ihren Glauben, ihre Liebe zu Gott und zu den Menschen. Und ihnen Segen wünsche. Frieden. Kraft. Freude. Trost.

Sehr schlicht. Sehr schön. Vielleicht ist das auch etwas für Dich, für Sie. Einen Versuch ist es wert.

Eigentlich ist es ein Wechselgruß: „Beten wir füreinander!“ folgt auf „Commendo me precibus tuis.“ – „Ich empfehle mich deinem Gebet.“ – Dass in der ein oder anderen Herzenskathedrale auch für mich gebetet wird und ich mich dem anvertrauen kann – das ist ein sehr berührender Gedanke, tröstend und kraftvoll. Und er stärkt mir die Zuversicht, dass wir auch diesen Lockdown gut überstehen. Danke dafür!

 

Susanne Degen