Paradox

2018-09-19 09:48:16

„Paradox“, dieses Wort geht mir beim Lesen des heutigen Sonntagsevangeliums durch den Kopf.Ein (scheinbarer) Widerspruch taucht auf, etwas, das unseren menschlichen Erwartungen zuwiderläuft oder sich sogar auszuschließen scheint:[i]„Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten“[/i] lautet der Schlusssatz.Jesus lehrt in Wort und Tat, dass es darauf ankommt, eingeübte Denk- und Handlungsmuster zu verlassen. Der uns bekannte immanente (scheinbare) Zusammenhang von Macht und Ohnmacht, Glück und Selbstverwirklichung, Schuld und Strafe, ja sogar von Leben und Tod bekommt im christlichen Glauben eine neue Ordnung.Die Machtverhältnisse verschieben sich bzw. werden umgekehrt oder gebrochen, denn durch Jesus bekommt unsere eingeübte innerweltliche Ordnung eine neue Dimension. Leben im christlichen Verständnis wird komplexer und gewinnt an Tiefe (und zeitlich betrachtet auch an Länge): das Denken in berechenbaren zwischenmenschlichen Kausalzusammenhängen reicht nicht mehr, um die Wirklichkeit zu erfassen und orientiert zu sein angesichts der Frohen Botschaft Jesu, die alle Grenzen sprengt und vieles ins Gegenteil verkehrt. Deshalb gilt es Stellung zu beziehen und dazu fordert Jesus auf, wenn er fragt:„Für wen hältst Du mich?“Wie beantworten Sie diese Frage? – Ist Jesus wirklich der Messias, der Retter und Erlöser, der aus menschgemachten Teufelskreisen befreit? Erleben Sie die entkrampfende Kraft des Glaubens im Vertrauen darauf, dass nicht alles im Hier und Jetzt erledigt und erlebt werden muss? Spüren Sie, dass Sie Gottes geliebtes Kind sind, unabhängig von jeder erbrachten Leistung? Fühlen Sie den Trost angesichts des Abschieds von einem lieben verstorbenen Menschen auf ein späteres Wiedersehen in Gottes Reich? Ich meine, dass die Antworten auf diese Fragen abhängen von der Antwort auf die Frage Jesu. Ist Jesus für mich nur irgendein Guru oder kluger Mann seiner Zeit, dann relativiere ich auch seinen Anspruch und Einfluss auf mein Leben. Das kann ich zwar tun, aber Jesus fordert viel mehr, nämlich „Selbstverleugnung“. Das bedeutet für mich, ihm vertrauensvoll zu glauben und mich in der ganzen Paradoxie unserer Existenz auf ihn hin festzulegen: Jesus Christus, Gottes Sohn und RetterWer sich Jesus aus tiefem Herzen anvertrauen kann, der rettet sein Leben, selbst wenn dies nach irdischen Maßstäben (etwa von Gesundheit oder Reichtum) nicht (mehr) viel wert ist.