Petrus und Paulus: eine Kirche des Dialogs

2014-07-09 18:02:09

Imponierend sind sie, diese Apostelgestalten - Charakterköpfe. Fast übertrieben reich und schön die Gewänder des Johannes, links, und des Paulus, rechts, im Vordergrund. Sie verdecken ein Großteil beider Bilder. Petrus auf dem linken Bild und Markus auf dem rechten Bild erscheinen hinter ihnen fast schon versteckt. Die Aposteltafeln von Albrecht Dürer entstanden im 16. Jahrhundert als sein letztes großes malerisches Werk. Dürer hat die beiden „Apostelfürsten“ Petrus und Paulus auf zwei überlebensgroße Bilder verteilt. Es handelt sich um ein Geschenk an den Stadtrat von Nürnberg und sie befinden sich heute in der Alten Pinakothek in München. Sind wir sonst gewohnt, beiden in trauter Harmonie zu begegnen, hier Trennung. Das Idealbild des Teams, der trauten Einigkeit beider bekommt Risse. Es gab durchaus auch Auseinandersetzungen zwischen beiden. Paulus erzählt davon zu Beginn seines Galaterbriefes. Es ging darum, ob man erst Jude werden muss, um Christ werden zu können. Paulus nämlich hatte bei Nichtjuden das Evangelium verkündet, den Blick auf die Menschen seiner Lebenswelt gerichtet – Hellenisten und Römer vor allem. Er nimmt seine Umwelt wahr - wie im Bild. Allein sein Auge zielt in den Raum der Betrachter. Für Paulus gibt es keine Unterschiede: weder Juden noch Christen, weder Männer noch Frauen, wir sind „einer“ in Christus! Petrus dagegen und mit ihm die Jerusalemer Gemeinde ist anderer Meinung. Das Evangelium ist allein für die Juden da. An diesem Wendepunkt in der Verkündigung des Evangeliums kommt es zum Konflikt. „Ich habe ihm ins Angesicht hinein widerstanden!“ (vgl. Gal 2,11), sagt Paulus. Bei allem Mühen um Einheit, um eine gemeinsame Linie: offenes Entgegentreten. Was er im Glauben für richtig hält, vertritt er - auch Petrus gegenüber. Er hat die Herausforderungen der Zeit angenommen, sie vom Evangelium gedeutet. Um der Wahrheit willen geht er dann auch Konflikte ein. Die Anspannung seines Gesichtes kann davon zeugen: Rhetorik unter der geschwollenen Kopfader, geschliffen wie das Schwert in der Hand, jederzeit zum Argumentieren bereit; seine Briefe schwergewichtig auf dem Arm.Und Petrus? Er steht im Hintergrund der linken Tafel, vor ihm Johannes, das Evangelium aufgeschlagen. Mühsam beugt sich der gealterte Petrus darüber. Er schaut Johannes etwas ab. Die „Schlüsselfigur“ der Apostel und später der Kirche hat etwas dazuzulernen! Im Evangelium schaut er nach.Petrus und Paulus – es begegnen uns zwei Charakterköpfe und Prinzipien zugleich: der Blick nach vorne in die Zukunft und der Blick zurück auf die Wurzeln. Um des Glaubens willen gehen beide Konflikte ein! Und trotz aller Auseinandersetzung bricht beider Gesprächsfaden nicht ab. Erst im gemeinsamen Ringen im Dialog um der Wahrheit willen finden sie zueinander in der Erkenntnis: Von Gott sind alle Menschen gleich gerufen, in der Kirche Gottes gibt es keine Unterschiede nach Volk, Rasse, Stand oder Geschlecht.Das Fest „Peter und Paul“, das die Kirche heute feiert, kann diese Erfahrung des Anfangs auch für die Gegenwart fruchtbar werden lassen: Wir brauchen in der Kirche den Dialog, das Gespräch, auch die Auseinandersetzung und hin und wieder sicher auch den Streit. Nur im gemeinsamen Ringen bleiben wir auf dem Weg Jesu. Entscheidend wird dabei sein, Jesus und sein Wort einerseits und die Menschen andererseits nicht aus dem Blick zu verlieren. Denn es geht nicht um Eigeninteressen, sondern darum, als Kinder Gottes durch die Taufe in Christus wirklich eins zu werden (vgl. Gal 3,28).