Reinigungstipps vom Läuterungsberg

„Besser, schneller, höher, weiter“ ist nicht nur das Motto einer sich selbst beschleunigenden Moderne

das angesichts von Coronakrise, Klimakrise und der Vielzahl von Krisenländern nicht mehr ganz zeitgemäß scheint, sondern „besser, schneller, höher, weiter“ ist auch das Motto Läuterungsbergs. Auch beim Läuterungsberg geht es um den Umgang mit Krisen, und zwar solche Krisen, die aus falschen Lebensentscheidungen von Menschen resultieren. (Das deutsche Wort Krise leitet sich ja aus dem griechischen Wort für „Entscheidung“ ab.).

Die Beschreibung des Läuterungsberg stammt aus dem Mittelalter; sie wurde von Dante verfasst, der vor 700 Jahren, im September 1321, verstorben ist. Der Läuterungsberg ist in der Göttlichen Komödie Dantes der Ort des Fegefeuers.

Der Läuterungsberg ist bei Dante ein Ort des Lernens, der Umkehr und der Vorbereitung auf das ewige Leben im Himmel. Die im Läuterungsberg auferlegten Bußen haben zum Ziel, die Seelen der Verstorbenen zu reinigen. So tragen die Stolzen schwere Steine, durch die sie nur noch gebeugt gehen können und dabei lernen, dass der Stolz die Seelen belastet. Die Zornigen müssen sich im Rauch bewegen, wo sie nichts sehen und dadurch erkennen, dass Zorn blind macht. Die Trägen, denen es an Hingabe mangelt, müssen umherlaufen, bis sie Beweglichkeit und Hingabe erlernt haben.

Beim Aufstieg über insgesamt 7 Terrassen, welche den 7 Todsünden entsprechen, steigen die Menschen nach und nach höher in Richtung Himmel. Wer schon auf Erden den Umgang mit den Todsünden (Stolz, Jähzorn, Neid, Trägheit, Habgier, Völlerei und Wollust) gelernt hat, kommt schneller nach oben. Die Göttliche Komödie enthält sicherlich kein Rezept, um den Himmel zu „verdienen“, und war von Dante auch nicht als solches intendiert; sie beschreibt eher eine Fülle von Lebensweisheiten, die auch heute noch aktuell sind - gerade in einer Zeit, in der soziales Lernen, welches mir mein Verhalten widerspiegelt, im Rückzug zu sein scheint.

Diakon Bernd Kreuter