Richtet euch auf und erhebt euer Haupt, denn eure Erlösung ist nahe (Lk 21,28)

2010-11-26 16:52:14

Wer in diesem Jahr am 1. Advent in einen katholischen Gottesdienst war, könnte sich erschrocken gefragt haben, wieso reden die angesichts solcher Horrorszenarien im Evangelium noch von einer frohen Botschaft? Da ist im Tagesevangelium vom 1. Advent (Lesejahr A) schon zu Beginn des neuen Kirchenjahres die Rede vom Ende der Welt: „die Sonne wird sich verfinstern und der Mond nicht mehr scheinen, die Sterne fallen vom Himmel und die Kräfte des Himmels werden erschüttert.“Mussten doch viele Christen lange mit dem Bild des tyrannischen, strafenden Gottes fertig werden. Das Evangelium war für sie mehr Droh-Botschaft, als Froh-Botschaft. Teilweise muss man das leider heute manchmal auch noch feststellen.Gewiss, die apokalyptischen Beschreibungen und Visionen von der kosmischen Katastrophe des Weltendes gehören zur Sprache der Bilder. Sie wollen keine Information oder Beschreibung über die definitive Zukunft der Erde und der Menschen geben. Aber die Frage bleibt: Lösen diese Vorstellungen in uns Angst oder Zuversicht aus? Kann die Froh-botschaft uns denn wirklich froh machen?Sie können nicht frohe Botschaft sein, wenn wir dabei die wichtigste und eigentliche Aussage vergessen: Jesus Christus kommt zum Gericht!Was heißt das?Wenn wir uns das Richten Christi nach dem Modell eines menschlichen Richters vorstellen, werden wir sein Kommen wohl kaum freudig erwarten können. Gottes Richten durch Jesus Christus aber ist kein Hin-Richten, sondern ein Her-Richten, ein Zurechtrücken und Wieder-in-Ordnung-Bringen. Den Geschändeten und Zukurz-gekommen wird er Recht verschaffen. Alle, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, werden endlich Erfüllung finden. Der erhöhte Jesus wird nicht nur als Richter wiederkommen, sondern wird auch unser Fürsprecher sein. So zeigt sich Gottes Gerechtigkeit in seiner Barmherzigkeit. Wir dürfen hoffen, dass unsere schmerzhafte Selbsteinsicht bei der Begegnung mit Gott in seine Liebe hinein aufgehoben wird. Das ist die frohe Botschaft: „Erhebt eure Häupter, denn eure Erlösung ist nahe\" Die Botschaft des Advents will uns nicht klein machen und auch nicht mit Ängsten agieren. Vielmehr will sie uns offenmachen für Gottes Erlösung. Wir können ihm mit erhobenem Haupt entgegen gehen. Ich wünsche uns allen einen Gesegneten Advent, in dem der, der uns aufrichtet, uns Kraft und Ideen gibt, einander aufzurichten.Ihr Reinhold Kalteier, Pfarrer