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Sebulon und Naftali

„Sebulon und Naftali“ – gleich zweimal werden sie an diesem Sonntag genannt: Beim
Propheten Jesaja in der ersten Lesung und dann noch einmal als Propheten-Zitat im
Evangelium. Sebulon und Naftali: das waren zwei der 12 Stämme Israels. Die mit dem
nördlichsten Siedlungsgebiet. Die Gebiete von Sebulon und Naftali waren nach der
Landnahme der Israeliten nach 40 Jahren Wüstenweg damals als erste wieder verloren
gegangen. Sebulon und Naftali war somit das Land der untergegangenen Hoffnungen, der
ausgeträumten Träume. War nur noch eine schmerzliche Erinnerung an die eigene Schwäche
und ein Grund für nagenden Zweifel: Was war denn jetzt mit Gottes Verheißungen? Mit dem
Land, wo Milch und Honig fließen sollte? Mit dem Land der großen Freiheit? Und mit dem
Gott, der die Seinen nicht im Stich lässt?
Gegen alle Fakten verspricht der Prophet aber ausgerechnet Sebulon und Naftali eine
großartige Zukunft. Und Matthäus reiht sich bei ihm ein: In Sebulon und Naftali wird Jesus
als erstes auftreten. Im heidnischen Galiläa. Dort, wo keiner noch einen roten Heller drauf
setzen würde, dort setzt Gott an. Und zwar mit Absicht, sagt der Evangelist.
Es gibt keine hoffnungslosen Fälle bei Gott, soll uns das sagen. Gott lässt die Seinen nicht im
Stich. Und wenn man uns hundertmal abschreiben wird. Erklären, die Kirche sei doch längst
auf dem absterbenden Ast. Auch wenn man uns vergleichen wird mit Sebulon und Naftali.
Dann gerade erst recht! Gott lässt sein Licht aufleuchten. Gerade bei denen, bei denen keiner
mehr damit rechnet.
Pfr. Andreas Unfried