so muss der Menschensohn erhöht werden. (Joh 3,14)

2012-08-27 21:12:06

Kein Symbol kennzeichnet unseren Glauben so sehr wie das Kreuz. Ausgerechnet, möchte man sagen. Denn eigentlich geht es doch in der Frohen Botschaft um Liebe und Versöhnung, um Rettung und Erlösung. Muss man dafür das Kreuz bemühen, dass für Gewalt und Leiden, Tod und Verderben steht? Immerhin war das Kreuz als eine grausamsten Strafen des Altertums in der Bildwelt der jungen Kirche über Jahrhunderte verpönt. Erst die Romanik bringt das Kreuz in größerem Umfang in die christliche Kunst ein bezeichnenderweise im Bildtypus des am Kreuz siegenden Christus-Königs.Anders wurde es erst in der Gotik, als Künstler wagten die Leiderfahrungen ihrer Zeit in die Passion Jesu gleichsam einzutragen: In den Wunden Jesu sind die Wunden meines Lebens mit getragen und mit erlöst. Das 20. Jahrhundert mit all dem Schrecken zweier Weltkriege, Terror, Hunger und globaler Gewalt hat wie kaum eine andere Zeit der Kunstgeschichte an diese Leidensmystik der Gotik angeknüpft. Kreuzesdarstellungen wie der Plützenseer Totentanz von Alfred Hrydlicka oder das Plakat von Oskar Kokoschka, mit dem er nach dem Krieg in der Londoner U-Bahn um Spenden für hungernde Kinder warb, berühren uns immer wieder tief.Solange Leid und Tod in der Welt sind, solange muss die Kunst - und mit noch mehr Recht auch der Glaube - vom Kreuz sprechen. Die Kunst tut es in Solidarität mit den Leidenden. Der Glaube genauso - und ergänzt das Mitleiden mit der vorsichtigen Hoffnung, dass Gott uns nicht allein lässt mit dem Kreuz unseres Lebens.Darum muss der Menschensohn erhöht werden, wie Jesus dem Phariäer Nikodemus zu nächtlicher Stunde zu erkä¤ren versucht: Damit der leidende Mensch aufblicken kann zu einem, der bei ihm steht und das Leiden mit ihm durchsteht. Denn Gott hat seinen Sohn gesandt, dass wir in ihm das ewige Leben haben sollen.