Taufwürde

2017-01-03 10:21:32

Taufwürde - Das grundlegende Sakrament unseres Glaubens verschlafen die meisten von uns: Immer noch werden die meisten Christen als kleine Babies getauft. Gottlob nicht mehr unmittelbar nach der Geburt in einer Krankenhauskapelle, wie man es oft vor Generationen noch aus Angst getan hat, weil eine missverstandene altkirchliche Lehre von der Heilsnotwendigkeit der Taufe dahingehend interpretiert wurde, ein ungetauftes Kind könne nicht in den Himmel kommen, wenn es stürbe.Trotz der Überwindung dieses Irrglaubens – und obwohl die eigentliche Voraussetzung für die Kindertaufe: ein ausreichendes Glaubensfundament der Eltern und eine gelebte kirchliche Praxis immer weniger selbstverständlich geworden sind, ist es bei den meisten dabei geblieben: Das Kind soll möglichst bald getauft werden. Insofern das immerhin eine Kontaktaufnahme zu Kirche bedeutet und die Chance bietet, dass der Same des Evangeliums womöglich fruchtbaren Boden findet, ist daran auch nicht allzuviel auszusetzen, finde ich.Bloß, dass auf diese Weise die Taufe auch nicht allzu deutlich ins Bewusstsein tritt. Sie wird von vielen eher als Segensritual denn als Bekenntniszeichen verstanden. Aber damit ist das Taufsakrament gründlich verkannt! In der Taufe bekenne ich mich zu Christus. Und er sich zu mir. Ich werde mit hineingenommen in sein Heilsgeheimnis. Mit ihm werde ich untergetaucht (Kreuz). Mit ihm aus der Tiefe geholt (Auferstehung). Wie Christus werde ich gesalbt zum königlichen, priesterlichen und prophetischen Dienst. Am Licht der Osterkerze – entzündet an den Flammen des Osterfeuers – wird mir die Taufkerze angezündet, springt der Funke göttlichen Geistes auf mich über. Und wie Christus werde ich in Dienst genommen, seine Botschaft in die Welt zu tragen. Jeder Getaufte, nicht etwa nur die besonders Auserwählten oder Berufenen. In der Taufe beruft Gott jeden und jede von uns – persönlich und höchst individuell. Eigentlich schade, dass die meisten von uns das verschlafen haben einst.An diesem Sonntag bietet sich mit dem Fest der Taufe Jesu eine Gelegenheit zum Erinnern, was uns mit der Taufe geschenkt ist.Pfarrer Andreas Unfried