Üben für den Himmel…

Üben – das ist eine Hauptbeschäftigung von uns Menschen. Im Üben, dh. im Nachahmen und Selbst-machen lernen wir und das heißt nichts anderes als: Nur durch das Üben machen wir Fortschritte.

Aber noch mehr: Wir üben nicht nur Neues ein, sondern wir üben auch aus, was wir können. Wir üben uns in Geduld, in Kritik, in Rücksicht und schließlich macht einzig das Üben den/die Meister:in, wenn man dem Sprichwort glauben darf. Unser Leben ist ein einziges Üben. Was haben wir in den vergangenen Monaten nicht alles an Neuem einüben müssen? Masken, G-Regeln (mit und ohne plus), Apps und vieles mehr. Üben muss dabei nicht immer mühselig sein. Es kann auch entlasten: Wir üben noch, weil wir eben nicht alles können. „Ich übe noch“ – das akzeptieren wir. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.

„Üben – sieben Wochen ohne Stillstand“ (unter www.7-wochen-ohne.de finden Sie interessante Anregungen) unter diesem Motto steht dieses Jahr die Fastenaktion der evangelischen Kirche. „Üben“ das bekommen wir mit dem Fasten noch zusammen. Wir müssen es ja jedes Mal von neuem Einüben. Aber „ohne Stillstand“ – wie geht das? „Ohne Stillstand“ meint nicht, jetzt in Geschäftigkeit oder Hektik zu verfallen. Wer fastet, kann das überhaupt nicht. Fasten führt ganz automatisch zur Ruhe und zugleich kommt etwas in Bewegung, nicht nur körperlich, auch seelisch. Vielleicht nutzen Sie unser Angebot unserer Pfarrei an einer Fastenwoche teilzunehmen. Auf der Homepage finden Sie dazu weitere Informationen.

Jesus hat übrigens auch selbst geübt. Dort hat die Fastenzeit auch ihren Ursprung: Jesus hat sich 40 Tage zurückgezogen und sich darin geübt, innerlich und äußerlich frei zu werden um ganz frei zu sein für Gott. Im Verzicht auf Speis und Trank wollte er ungestört und losgelöst von alltäglichen Gewohnheiten über seinen Weg zu und mit Gott nachdenken und schließlich entscheiden.

Fasten ist das Einüben in eine andere Form der Ernährung und auch noch mehr. Denn das Fasten bietet die Chance, eine andere Sicht auf das Leben zu gewinnen. Es kann der Türöffner sein für das Christsein überhaupt; für ein ständiges Einüben auf die Einheit in und mit Gott und den Nächsten. Das ist oft auf allgemeine moralische Appelle oder Moralregeln verkürzt worden. Darum geht es aber nicht. In diesen Wochen vor Ostern geht es einfach darum, sich für den Himmel zu üben.

Viel Freude dabei!

Mathias Wolf, Diakon