Unbefleckte Empfängnis

2011-12-08 23:49:30

Am 8. Dezember feiert die katholische Kirche das Fest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria. Der Name des Festes ist ebenso sperrig wie sein Inhalt und obwohl Hochfest, ist es doch im Bewusstsein der Christgläubigen wenig verankert. Der Name „unbefleckte Empfängnis“ ist auch recht unglücklich. Denkt man doch, dass dann alle anderen außer Maria „befleckt empfangen“ sind und der an sich wunderbare Akt, dass ein Menschenkind ins Dasein kommt, hat schon einen Schmutzfleck. Bei der Unbefleckten Empfängnis geht es nicht darum, wie Jesus von Maria empfangen wurde (dieses Fest nennen wir Verkündigung des Herrn), sondern um den Beginn von Marias Existenz; ihre Geburt feiern wir entsprechend neun Monate später am 8. September. Schon recht früh in der Theologiegeschichte hat man sich wegen Jesus Christus Gedanken über die Reinheit Mariens gemacht und im Lauf der Jahrhunderte gab es durchaus auch Streit um dieses Thema. 1854 wurde die unbefleckte Empfängnis dann zu einem Dogma. In der Bulle Ineffabilis Deus heißt es, dass Maria „im ersten Augenblick ihrer Empfängnis durch die einzigartige Gnade und Bevorzugung des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Christi Jesu, des Erlösers des Menschengeschlechtes, von jeglichem Makel der Urschuld unversehrt bewahrt wurde“. Schöner, weil positiv formuliert das II. Vatikanische Konzil. Es sieht Maria „vom ersten Augenblick ihrer Empfängnis im Glanz einer einzigartigen Heiligkeit“.Soweit die Hintergründe, aber können wir heute noch etwas mit diesem Fest anfangen? Vielen Menschen ist diese Fest fremd, weil ihnen die Theologie der Erbsünde fremd geworden ist. (Mit dem Begriff der „Strukturellen Sünde“ hingegen können viele schon eher etwas anfangen. Ja, wir sind in Strukturen hineingeboren, die uns schuldig werden lassen, weil sie ungerechte Verteilung von Lebensgütern oder die Belastung und Zerstörung unserer Umwelt fortschreiben.) Vielleicht können wir uns mit dem Geheimnis dieses Festes wieder anfreunden, wenn wir es wagen, es auf uns zu beziehen. Was die Kirche über Maria sagt, dass sie frei von aller Schuld der Vergangenheit war, unversehrt, ganz, heil und heilig, das dürfen wir vielleicht auch über unseren innersten Kern, unser innerstes Wesen sagen. Es gibt einen Ort in uns, an den keine Schuld, keine Verletzung, weder Demütigung noch Vernichtung heranreichen. Ein heiliger Ort – von Gottes Gnaden. Ein Ort reiner Empfänglichkeit – weil Gott in einer jeden Seele geboren sein möchte – wie es uns die Mystiker und Mystikerinnen sagen. Wär’ Christus tausendfach in Bethlehem geborenUnd einmal nicht in dirSo wärst du tausendfach verloren.(Angelus Silesius)