Was ihr dem Geringsten meiner Brüder – und Schwestern – getan habt

2010-03-13 16:07:37

Wer ist denn damit eigentlich gemeint? Das Matthäus-Evangelium bleibt recht umfassend in der Beschreibung: der, der hungert, der, der Durst hat, der, der keine Kleidung hat oder im Gefängnis ist usw.Wer sich hier umschaut, der bekommt schell den Eindruck, dass es hier keine Menschen gibt, die von Jesus gemeint sein könnten, schließlich gibt es staatliche Leistungen und viele wohltätige Organisationen wie beispielsweise die Tafel e.V. oder das ökumenische AnZiehEck.In den Erdbebengebieten und in Afrika, da gibt es viele Menschen, die leiden und auch unsere Unterstützung brauchen. Gut ist es, wenn Organisationen wie Misereor konkrete Projekte vor Ort unterstützen, so dass die Spenden auch wirklich ankommen und den Menschen geholfen wird. Schon beim täglichen Einkauf können wir uns mit den Ärmsten solidarisieren, wenn wir z.B. fair gehandelte Waren kaufen. Denn mit gerecht bezahlter Arbeit unterstützen wir die Menschen auf ihrem Weg in die Eigenständigkeit.Ich möchte Ihren Blick noch einmal auf die Menschen hier vor Ort lenken. Menschen, denen Sie begegnen, auf der Straße, in der S- Bahn, beim Einkaufen. Meist ist nicht zu erkennen, ob ein Mensch arm oder reich ist. Mit wenig finanziellen Mitteln in einer reichen Gesellschaft zu leben ist schwer. Die Erwartungen, was man oder frau alles haben oder können muss, sind sehr hoch. Mittels einer Sozialraumanalyse haben sich Männer und Frauen aus den Gemeinden auf den Weg gemacht, um herauszufinden, ob es auch in Oberursel arme Menschen gibt. Dabei wurde deutlich, dass in Oberursel ca. 500 Kinder und Jugendliche von HARTZ IV leben. Es ist nicht so einfach sich vorzustellen, was dies bedeutet. Erwachsene erhalten 359 € monatlich, Kinder prozentual weniger. Kinder bis 5 Jahre 60 % (215 €), Kinder bis 13 Jahre 70% (251 €), Jugendliche ab 14 Jahre 80 % (287 €). In diesen Leistungen sind enthalten: Nahrung und Getränke (37%), Freizeit (11%), Bekleidung (10%) Telekommunikation (9%), sonstige Waren z.B. Hygiene (8%), Wohnung (ohne Miete) Strom und Warmwasseranteil (8%), Möbel und Hauhaltsgegenstände – dazu gehören auch Rücklagen, um eine Waschmaschine o.ä. anzuschaffen (7%), Arzt und Medikamente (4%), Fahrtkosten (4%), Beherbergungs- und Gaststättenkosten (2%).Diese Zahlen bedeuten z.B. dass ein Kindergartenkind 2,65 € täglich für Essen und Trinken zur Verfügung hat, oder dass ein Jugendlicher monatlich 11,48 € für Bahnfahrten ausgeben kann.Angesichts dieser Situation haben sich die Verantwortlichen für die Caritasarbeit in den Gemeinden entschlossen, Kindern im Bereich der Schule zu unterstützen. Die Aktion „Starthilfe zum Schulbeginn“ richtet sich an Familien, die mit wenig finanziellen Mitteln auskommen müssen. Mittels konkreter Materialen für die Schule, wie Ranzen, Mäppchen, Stifte, Radiergummi uvm. soll den Schülerinnen und Schülern der Einstieg in die Schule, bzw. der Klassen-/Schulwechsel erleichtert werden.Es ist richtig, dass Kindern, die HARTZ IV beziehen, einmal im Jahr ein Betrag von 100 € für die Schule zusteht. Von diesem Geld müssen z.B. Hefte, Stifte, Scheren angeschafft werden, aber auch Turnschuhe, Arbeitshefte für Deutsch, Mathematik oder Englisch (ca. 6-7 €), Lektüren, 2-3 Ausflüge, oder ein Theaterbesuch, die Klassenkasse, ein Musikinstrument, Kopierkosten usw.Die Aktion „Starthilfe zum Schulbeginn“ möchte ein Zeichen setzen, dass wir die Kinder und Jugendlichen hier vor Ort nicht aus dem Blick verloren haben – im Sinne Jesu, der sagt: „Was ihr einem der Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,31 ff).