Skip to main navigation Zum Hauptinhalt springen Skip to page footer

Webwort 30.8.26 / Pfarrblatt September

„Du hast entschieden. Du hast mich an dich gebunden, auf Gedeih und Verderb. Gott, warum bist du uns so furchtbar nahe?“ – so schreibt es der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer in dunkelster Zeit. Er hatte sich entschieden nach Deutschland zurückzugehen und Widerstand zu leisten. Und er wusste, was das 1934 bedeutete.

Gott kann manchmal furchtbar nahe kommen. Der Prophet Jeremia hat das auch am eigenen Leib erfahren. Wie eine Verliebte spricht er: „Du hast mich betört, o HERR, / und ich ließ mich betören; / du hast mich gepackt und überwältigt.“ (Jer 20,7). Zugleich erlebt er auch Ablehnung und Abgrenzung: „Zum Gespött bin ich geworden den ganzen Tag, / ein jeder verhöhnt mich.“ (7) Hohn und Spott erntet er als Prophet. So sehr er sich bemüht, davon los zu kommen, gelingt es nicht. „Sagte ich aber: Ich will nicht mehr an ihn denken / und nicht mehr in seinem Namen sprechen!, so brannte in meinem Herzen ein Feuer, / eingeschlossen in meinen Gebeinen. Ich mühte mich, es auszuhalten, / vermochte es aber nicht.“ (9)

Es gibt diese Seite Gottes: Er lässt nicht los; er rückt mir auf die Pelle – anstrengend und fordernd. 

Gott geht es dabei nicht um Gängelei. Das ist das, was menschliche Kleingeister aus dieser bedrängenden Nähe Gottes gemacht haben, sondern um Entscheidung und Schärfung des Blicks für das Wesentliche.

Mathias Wolf, Diakon