Weihetag der Lateranbasilika 9.11.

2008-10-24 21:07:31

Es ist schon eigentümlich: viele hundert Kilometer weg von Rom feiern wir heute das Kirchweihfest einer römischen Kirche. Was geht uns diese Kirche an? Was sollen wir feiern am Weihetag der Lateranbasilika, wo die meisten von uns vermutlich diese Kirche noch nie betreten haben?Es muß schon einen außergewöhnlichen Grund geben, warum gerade diese Kirche in aller Welt so eine besondere Bedeutung hat. Es steht sogar auf ihr drauf. Da heißt es: mater et caput omnium ecclesiarum urbis et orbis. Zu deutsch: „Mutter und Haupt aller Kirchen der Stadt (Rom) und des (Erd-)kreises“. Wie kommt eine Kirche dazu so etwas zu behaupten: sie sei Mutter und Haupt aller anderen Kirchen?Der Name „Lateranbasilika“ verrät uns bereits einiges über ihre Geschichte. Ursprünglich gehörte nämlich der Platz, wo diese Kirche heute steht der römischen Familie der Laterani. Im römischen Reich des Umsturzes gegen den Kaiser bezichtigt, verloren sie ihre Villa an dieser Stelle der Stadt. Der römische Staat errichtete sodann Kasernen. Im Jahr 312 beginnt dann die Geschichte der Kirche an diesem Ort. Kaiser Konstantin besiegt – obwohl zahlenmäßig unterlegen - in der Schlacht an der Milvischen Brücke vor den Toren Roms seinen Gegenspieler Maxentius. Am Abend vor der Schlacht erscheint im ein geheimes Zeichen und im Traum wird ihm gesagt: „in hoc signo vinces“ (In diesem Zeichen wirst du siegen.) Er befiehlt, dieses Zeichen bestehend aus den griechischen Buchstaben X P auf den Standarten der Soldaten anzubringen. Und tatsächlich: er trägt den Sieg davon und wird römischer Kaiser. X P dieses Zeichen ist eine Abkürzung des Namens Christos, die ersten beiden griechischen Buchstaben. Es steht also für Christus, den Gesalbten, den Retter und Erlöser. Von diesem Moment an, unterstützt Konstantin das Christentum. Erst als erlaubte Religion, dann sogar als Staatsreligion. Im Christentum sucht er eine Kraft, die das zerfallende römische Imperium zusammen halten soll. Als äußeres Zeichen seiner Anerkennung stiftet er sodann auch dem Christentum eine prunkvolle, große Kirche. Bislang traf sich ja die christliche Gemeinde im Geheimen, in Hauskirchen. Am Rande der Stadt Rom – direkt an der Stadtmauer gelegen – lässt er nun an Stelle der dortigen Kasernen auf dem ehemaligen Gebiet der Laterani jene erste große Kirche des Christentums errichten. Am Stadtrand, auf staatlichem Boden, weil er noch den Neid jener Römer fürchten musste, die heidnischen Göttern anhingen. Diese Kirche lässt er dann Christus, dem „salvator mundi“ (dem Heiland der Welt) weihen. Erst später erfolgt die Zuordnung auf Johannes den Täufer. Die Inschrift am Sockel dieser Basilika macht deutlich, dass sie tatsächlich der Ausgangpunkt der Kirche als einer weltumspannenden Macht ist. So war der Lateran bis ins Mittelalter hinein auch Sitz der Päpste. Bis heute ist die Lateranbasilika die Bischofskirche des Bischofs von Rom für das Bistum Rom.Vom Rand der Stadt her beginnt der Siegeslauf des Christentums. Die Kirche im 21. Jahrhundert macht in unseren Breiten oft auch den Eindruck an den Rand gedrängt zu sein – nach fast 1700 Jahren wieder an den Rand gedrängt. Das lässt die Frage nach dem Warum aufkommen. Ist vielleicht jene enge Verbindung zwischen weltlicher und geistlicher Gewalt, die die Kirche damals einging ein Grund für die heutige Situation? Haben wir uns nicht zu sehr eingerichtet in dieser Gesellschaft? Wo bleibt die Überzeugungskraft des Anfangs? Resignation, Rückzug aus der Gesellschaft wird uns nicht wirklich weiterbringen. Vielleicht eher das, was Paulus in der 2. Lesung vom heutigen Fest betont: „Wißt ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“ ( 1 Kor 3, 16) Nicht die prächtigen Kirchenbauten machen das Christentum aus, sondern wir Christen. Wir sind Ort der Anwesenheit Gottes in der Welt. Eine Besinnung auf diesen Kern bewahrt vielleicht davor, dass wir uns in Äußerlichkeiten verlieren. „Denn einen anderen Grund kann niemand legen, als den, der gelegt ist: Jesus Christus“. In großen Buchstaben findet es sich bis heute auf der Fassade der Lateranbasilika: PX. Christus ist der Grund der Kirche und unseres Glaubens und nicht Macht oder äußerliche Pracht. Die Tempelaustreibung als Evangelium für dieses Fest bringt die Gefahr auf den Punkt – Gottes Haus droht zur Markthalle zu werden. Und der Lateranspalast neben dieser Kirche sagt mehr als viele Worte. Schon Franz von Assisi redete genau an diesem Ort Papst Innozens III. ins Gewissen auf der Spur Jesu zu bleiben. Eine Bronzeskulptur vor dem Lateran erinnert übrigens heutzutage daran.Gerade dieses Fest sollte allen Christen in der Stadt und auf dem weiten Erdkreis in Erinnerung rufen, wer bleibender Grund der Kirch ist und bleibt: Jesus Christus.Mathias Wolf, Diakon